Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
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Nachrichten aus den Landesverbänden und Fachgruppen

Sachsen

Gemeinsame Arbeitstagung der an der amtlichen Lebensmittelüberwachung beteiligten Berufsverbände

Zum zweiten Mal nach 1995 trafen sich am 26.Mai 1999 unter der Schirmherrschaft des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Familie die Mitglieder der an der amtlichen Lebensmittelüberwachung beteiligten Berufsverbände aus dem Freistaat Sachsen zu einer gemeinsamen Arbeitstagung. Der berufsständisches Kastendenken negierende Gedankenaustausch - übrigens einmalig in der Bundesrepublik Deutschland - verfehlte seine Anziehungskraft nicht. Zum attraktiven Vortrags- und Diskussionsprogramm trafen sich etwa 150 Lebensmittelkontrolleure, Tierärzte und Lebensmittelchemiker im Hotel Meerane. Zentrales Thema der Veranstaltung waren die politischen Aussagen der Europäischen Kommission zur künftigen Gestaltung der Lebensmittelüberwachung in einem vereinten Europa und deren Auswirkung auf den Verbraucherschutz in Sachsen.

Zu Beginn informierte der Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Familie, Herr Landestierarzt Prof. Dr. Peter Schwerg, über das neu installierte Lebensmittelüberwachungsamt der Europäischen Union in Dublin. Danach setzte sich Herr RA Michael Welsch vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde in Bonn sehr kritisch mit der Verbraucherschutzpolitik der EU nach Erscheinen des "Grünbuches" der Kommission auseinander. Er beklagte, dass die zahlreichen Stellungnahmen zu diesem Grünbuch - eine davon wurde auch vom BLC abgegeben - bisher nicht zur Klärung offener Fragen beigetragen hätten und dass zum derzeitigen Zeitpunkt auch wenig diesbezügliche Aktivitäten seitens der Kommission erkennbar sind. Auf ein spezielles ungeklärtes Problem in der EU, dass der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Deutschland immense Schwierigkeiten bereitet, ging danach der Vorsitzende der Lebensmittelchemischen Gesellschaft Herr Dr.Axel Preuß aus Münster ein. Nahrungsergänzungsmittel und "Functional Food" sind im Gemeinschaftsrecht weder eindeutig definiert noch rechtlich geregelt; dieser nicht harmonisierte Bereich im Lebensmittelrecht erleichtert das Inverkehrbringen dubioser Präparate und erschwert einen effektiven Schutz der Verbraucher vor Irreführung und Täuschung, ja sogar vor gesundheitlichen Schädigungen außerordentlich. Abschließend stellte der Präsident der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen, Herr Dr. Bernd Schlegel, die Leistungsfähigkeit der von ihm geleiteten Einrichtung vor. Eine maßgebliche Voraussetzung dafür ist der in der LUA gebündelte Sachverstand und die wirkungsvolle Zusammenarbeit von Lebensmittelchemikern, Tierärzten und Ärzten.

Die amtliche Lebensmittelüberwachung ist eine hoheitliche Aufgabe und gehört zur Daseinsfürsorge des Staates für seine Bürger. Sie wird demzufolge aus Steuergeldern finanziert. In Zeiten, in denen "alle Staatsausgaben auf den Prüfstand gehören", sind vor allem Gedanken zur Kostenminimierung für die öffentlichen Haushalte gefragt. In der amtlichen Lebensmittelüberwachung kann dazu vor allem die vertrauensvolle Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen unter strikter Wahrung der durch die Ausbildung begründeten Fachkompetenz beitragen. Doppelarbeit bzw. fachlich inkompetentes Wirken aus falsch verstandenem "Berufsethos" heraus muß vermieden werden, wenn die für den Verbraucherschutz unverzichtbare Tätigkeit auch weiterhin bezahlbar bleiben soll. Wie wichtig eine unabhängige, an keinerlei Interessenvertretung gebundene Lebensmittelüberwachung ist, zeigen ganz aktuelle Themen, die - in der Boulevardpresse oft reißerisch herausgestellt - nichtsdestotrotz für den verständigen Verbraucher auch rational erklärt werden müssen.

Dazu gehören u.a.:

  • "Chemie in Lebensmitteln" durch (zu viele) Zusatzstoffe
  • gentechnisch veränderte Lebensmittel und Lebensmittelzutaten
  • "BSE - Fleisch" Todesfälle in Altersheimen durch Salmonellen
  • Hormone im Fleisch
  • "vergiftete" Lebensmittel durch Umwelteinflüsse oder unverantwortliche Manipulationen
  • von Lebensmittel- oder Futtermittelproduzenten

Gerade einer der jüngsten Fälle - der von Belgien ausgehende "Dioxinskandal" - belegt in eindrucksvoller Art und Weise die Notwendigkeit des nahtlosen Ineinandergreifens verschiedener Berufsgruppen bei der Aufklärung der Ursachen und bei der Verhinderung gesundheitlicher Schädigungen der Verbraucher.

Ausgehend von verseuchten Futtermitteln und dadurch kontaminierten Schlachttieren und deren Produkten (Fleisch, Eier, Milch) wird durch die mögliche Verarbeitung tierischer Rohstoffe eine nahezu unüberschaubare Vielzahl von Lebensmitteln verdächtigt. Veterinäre (im Erzeugerbereich), Lebensmittelkontrolleure (in der Kontrolle der Distribution) und Lebensmittelchemiker (im analytischen Bereich) müssen kooperieren, um - jeder auf seinem Gebiet - dafür sorgen zu können, daß einerseits belastete Lebensmittel nicht auf den Tisch des Verbrauchers gelangen und andererseits unbelastete Lebensmittel nicht ungerechtfertigt diskreditiert werden.

Dieser Fall zeigt aber genauso exemplarisch, dass der hoheitliche Verbraucherschutz nur gewährleistet werden kann, wenn die dafür zuständigen Ämter und Behörden nicht kaputtgespart werden. Auch bei der in Sachsen praktizierten und durch die eingangs genannte gemeinsame Arbeitstagung eindrucksvoll dokumentierten Zusammenarbeit der Berufsgruppen sind die Kosten für das notwendige Personal und die - vor allem im Untersuchungsbereich - unverzichtbare technische Ausstattung nicht unbeträchtlich.

Wenn die politischen Entscheidungsträger diesen Fakt verinnerlichen, wird auch künftig jeder Sachse unbesorgt und sicher seinen Hunger und Durst stillen können.

DLC F.Gründig

Der Landesverband Sachsen stellt sich vor

Der Verband der LebensmittelchemikerInnen im öffentlichen Dienst des Freistaates Sachsen gründete sich am 2.Februar 1991 in Chemnitz. An dieser Veranstaltung beteiligten sich 33 Gründungsmitglieder. Derzeit sind 51 Mitglieder registriert, davon sind 29 Personen an der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen und 17 Personen im Vollzug der Lebensmittelüberwachung (Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter, Regierungspräsidien) beschäftigt. Außerdem sind drei Mitarbeiter der obersten Landesbehörde und zwei Lebensmittelchemiker von der Technischen Universität Dresden Mitglied im Verband.

Der Verband ist seit dem 1. Januar 1992 sowohl Mitglied im Bundesverband der LebensmittelchemikerInnen im öffentlichen Dienst als auch im Sächsischen Beamtenbund. Seit seiner Gründung vertreten die Mitglieder des Verbandes folgende Grundpositionen, die während des Aufbaus der amtlichen Lebensmittelüberwachung im Freistaat Sachsen in vielen Stellungnahmen, Gesprächen und sonstigen Meinungsäußerungen zum Ausdruck gebracht wurden:

  • Ressortierung der amtlichen Lebensmittelüberwachung im Geschäftsbereich des Sozial- und Gesundheitsministeriums
  • Optimaler Verbraucherschutz durch Schaffung einer integrierten Untersuchungseinrichtung
  • Amtliche Lebensmittelüberwachung ist Einheit von Überwachung und Untersuchung
  • Untersuchung und Begutachtung gehören untrennbar zusammen
  • Lebensmittelchemiker sind auch im Vollzug unverzichtbar
  • Lebensmittelüberwachung ist eine hoheitliche Aufgabe des Staates und kann deshalb nicht privatisiert werden

Als eine wesentliche Voraussetzung für eine effektive und bezahlbare amtliche Lebensmittelüberwachung sieht der Verband die vertrauensvolle Zusammenarbeit der an der Lebensmittelüberwachung beteiligten Berufsgruppen unter strikter Wahrung der jeweiligen ausbildungsbedingten Fachkompetenz. Zu dieser Zusammenarbeit trägt entscheidend der gute Kontakt zum Landesverband der Tierärzte im öffentlichen Dienst und zum Landesverband der Lebensmittelkontrolleure bei. Bei zwei gemeinsamen Arbeitstagungen - jeweils unter Schirmherrschaft des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Familie durchgeführt - wurde deutlich, dass gemeinsames Handeln zum Wohle des Verbrauchers möglich ist und dazu keine vernünftige Alternative besteht.

Auch künftig werden die sächsischen LebensmittelchemikerInnen im öffentlichen Dienst eine enge Verbindung zum Bundesverband pflegen und sich aktiv an bundesweiten Initiativen beteiligen. Der Vorstand des Landesverbandes wird sich bemühen, wie schon in den letzten Jahren, Weiterbildungsveranstaltungen für seine Mitglieder zu organisieren und die Mitgliedschaft im Verband für alle Fachkollegen attraktiv zu gestalten. Er wünscht sich aber auch eine tatkräftige Unterstützung von allen Mitgliedern, um bestehende Schwachstellen - erinnert sei nur an eine unzureichende Öffentlichkeitswirkung - künftig beheben zu können.

DLC F.Gründig


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