Tagungsbericht aus DresdenGrußwort von Herrn Dr. Preuß, Vors. der Lebensmittelchemischen Gesellschaft der GDChLiebe Frau Vorsitzende, sehr geehrte Ehrengäste, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,eigentlich müßte ich ja jetzt nach den engagierten Worten von Herrn Professor Henle mit dem Ausruf beginnen "Ich bin ein Dresdner!" Ich werde es aber nicht tun, sondern ich möchte Ihnen einfach den Dank und die Grüße des Vorstandes der Lebensmittelchemischen Gesellschaft und damit der gesamten Lebensmittelchemiker in der Lebensmittelchemischen Gesellschaft überbringen und das verbinden mit dem persönlichen Dank für die hervorragende, vertrauensvolle Zusammenarbeit der letzten Jahre. Wir haben immer sehr gut, sehr offen, sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet. Es sind nie böse Gedanken aufgekommen. Manchmal war es ein Nebeneinander, sehr häufig ein Miteinander, aber nie ein Gegeneinander. Ganz herzlichen Dank dafür. Und dass gemeinsame Anstrengungen nötig waren und auch weiterhin nötig sind, das wissen wir. So haben wir in der LChG ja auch immer etwas in Richtung des öffentlichen Dienstes getan. Man möchte sagen, der BLC hat es insofern einfacher und klarer: Er ist eben nur für die Interessen der Lebensmittelchemiker im öffentlichen Dienst zuständig. Die LChG steht ja dagegen auf vier Säulen, vertritt also die Wissenschaft, die Industrie, die Freiberufler und den öffentlichen Dienst. Das mag nur auf den ersten Blick wie die Quadratur des Kreises aussehen, denn erstens ist die Wissenschaft auch im öffentlichen Dienst enthalten (Schulen und Forschungsinstitute sind nun einmal öffentlicher Dienst), und zweitens arbeiten die Mitglieder insgesamt in der LChG - alle, in allen vier Säulen - vorrangig als Hauptziel und Lebenszweck an der Aufgabe, den Verbraucher vor Täuschung und Irreführung, insbesondere aber auch vor gesundheitlichen Gefahren und gesundheitlichen Schäden zu schützen. Wir haben von der LChG vor kurzem in dieser Richtung eine Aktion gestartet und alle Minister und Ministerinnen, Senatoren und Senatorinnen der Bundesländer angeschrieben und darauf hingewiesen, dass es immer noch Defizite im Einsatz der Lebensmittelchemiker im Vollzug gibt. Wir haben fast alle Antworten mittlerweile bekommen. Das hat uns sehr gefreut, denn man hat relativ zügig geantwortet. Alle Antworten waren freundlich, aber sie waren auch ehrlich und damit auch manchmal ernüchternd. Dass Lebensmittelchemiker im Vollzug zwingend notwendig sind, was ich hier noch einmal unterstreichen möchte, ist am Eindrucksvollsten leider durch die Ereignisse Mitte diesen Jahres in Belgien bewiesen worden. Dort kennt man sie und ihn nicht, die Lebensmittelchemikerin und den Lebensmittelchemiker. Und dieser fehlende Sachverstand hat dort über Monate dazu geführt, dass man sich bei den Untersuchungen nur auf das Schlag- und Reizwort Dioxin beschränkt hat. Aber das, was wir alle fachlich wissen, die Frage nach den begleitenden PCB's, wurde nicht gestellt, weil dort eben niemand war, der diesen Sachverstand hatte. Das hat dazu geführt, dass, als die wirklich dramatischen Zahlen über die Dioxine an die Öffentlichkeit in die Mitgliedsstaaten kamen, sich zwar alle lebensmittelchemischen Fachleute gefragt haben: "Und PCB's?" Aber es gab über zwei oder drei Wochen keine Antwort. Was wiederum dazu führte, dass in dieser Zeit von Ende Mai bis Mitte Juni sehr viele Lebensmittel - hunderte von Tonnen - weggeworfen worden sind, weil sie nicht durch das Nadelöhr der Dioxinprüfung kommen konnten. Die Firmen mußten die Waren wegwerfen. Hätte man sich bereits frühzeitig im März oder April die auf der Hand liegende Frage nach einem möglichen PCB-Gehalt gestellt, hätten hunderte von Laboratorien in Deutschland und Europa diese in Rede stehenden Produkte aus Belgien auf PCB's überprüfen und freigeben können. Es wäre ein volkswirtschaftlicher Schaden in Europa von mehreren hundert Millionen Mark vermieden worden. So haben wir aber alle das Geld verloren, schade. Wenn wir nur 0,1 % davon dem Institut der TU Dresden hätten zukommen lassen können, so wäre dies sicher eine weitaus sinnvollere Verwendung gewesen. Sie sehen, und ich möchte es hier noch einmal unterstreichen, Lebensmittelchemie ist unverzichtbar. Sie ist nicht besser als die anderen Disziplinen, aber wir sollten sie keinesfalls außen vor lassen, und dafür werden wir weiter gemeinsam kämpfen. Eines stimmt mich für die Zukunft optimistisch. Ein Gespenst scheint ein wenig in sich zusammenzufallen: das Gespenst der Privatisierung, was uns auch gemeinsam immer bewegt hat. Nach meinen Informationen sieht es so aus, dass langsam gelernt wird, dass Privatisierung nicht in allen Fällen ein Allheilmittel ist. Wir haben immer auf die fachlichen Gründe hingewiesen, die dagegen sprechen. Nun aber scheint auch bei Politikern das Bewußtsein aufzukommen, dass auch wirtschaftliche Gründe dagegen sprechen. Dem Vernehmen nach wird in einem Bundesland ein vor zehn Jahren privatisiertes - also in eine privatrechtliche Form überführtes - Landesamt wieder in eine Landeseinrichtung rücküberführt, und die Abteilungsleiterkonferenz der Abteilung 1 der Umweltminister soll vor kurzem beschlossen haben, zumindest in unserem Bereich mit der Privatisierung von öffentlichen Untersuchungseinrichtungen aufzuhören. Ich hoffe, dass die Gesundheitsministerkonferenz dieses auch erfährt, und dass dann wirklich dieses Gespenst etwas in sich zusammensinkt. Lassen Sie mich auch diesbezüglich nochmals auf Belgien zurückkommen. Auch da zeigt sich der Nachteil der Privatisierung. Die belgischen Behörden verfügten nicht über ein Dioxinlabor, also haben sie den Auftrag nach Holland an ein privates Labor gegeben. Was hat das Labor für einen Auftrag bekommen? Untersucht auf Dioxin! Die hätten den Sachverstand gehabt, auf PCBs zu prüfen, aber sie hatten keinen Auftrag, also haben sie es gelassen. Und das ist eben die Situation, die wir alle vermeiden wollen, dass wir spezialisierten Sachverstand sozusagen einmauern, indem nur noch Aufträge von außen stur abgearbeitet werden, und der eigentlich engagierte Sachverständige, der sagt: "Ich muß doch jetzt etwas tun", nicht mehr die Möglichkeit dazu hat oder komplizierte Rückfragen starten muß. Ich hoffe, dass wir da weiter gemeinsam auf einem guten Weg sind. Wir werden jedenfalls nicht müde werden, dieses immer wieder darzustellen. Und ich meine auch, zu beweisen, zu überzeugen und nicht nur zu überreden. Um es kurz zu machen, möchte ich nur noch sagen, persönlich bin ich sehr gerne wieder in Dresden. Ich freue mich darüber. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft war ja schon 1994 mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag auch hier in dieser schönen Stadt, in diesem schönen Institut. Wir erinnern uns noch sehr gut an Ihr damaliges Grußwort, Herr Staatsminister Dr. Geisler. Ich muß sagen, es war damals wie heute sehr, sehr beeindruckend, weil es so persönlich war. Für die LChG möchte ich sagen, wir sind gerne wieder bereit, einen Lebensmittelchemikertag hier im neugebauten Institut zu machen - im größten Institut der Bundesrepublik! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. |