Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
im öffentlichen Dienst e.V. (BLC)
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Tagungsbericht aus Celle

Dieses Jahr fand die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Lebensmittelchemiker/-innen im öffentlichen Dienst e.V. (BLC) am 10.10.1998 in Celle, einem Städtchen mit wunderschöner Altstadt am Rande der "Lüneburger Heide", statt.

Frau Thomas, die Vorsitzende des BLC, begrüßte die anwesenden Mitglieder und als Gäste den Vertreter des Landkreises Celle, Herrn Wisve, von der Stadt Celle Herrn Dr. Stumpf, die Vertreter der Berufsverbände der Ärzte, Herrn Dr. Reimers, der Tierärzte, Herrn Dr. Wohn, der Lebensmittelkontrolleure, Herrn Prinz, weiterhin Herrn Dr. Grugel vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Herrn Dr. Preuß von der Lebensmittelchemischen Gesellschaft der GDCh, Herrn Hölzel vom BMG, und Herrn van der Laan, Präsident der EALV. Nachfolgende Grußworte und Vorträge sollen an dieser Stelle in gekürzter Form oder mit kurzer Zusammenfassung wiedergegeben werden:

Grußwort von Herrn Dr. Grugel

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren,
Sie hatten Herrn Minister Funke zu ihrer Jahreshauptversammlung nach Celle eingeladen und ihn gebeten, ein Grußwort an sie zu richten. Diesem Wunsch wäre er sicher nachgekommen, wenn nicht besondere Umstände seine Anwesenheit an diesem Wochenende in Bonn erforderlich machen würden. Er hat mich deshalb gebeten, ihn bei ihrer Veranstaltung zu vertreten und ihnen seine besten Grüße auszurichten.

In der Lebensmittelüberwachung unseres Landes nehmen Lebensmittelchemiker wichtige Aufgaben bei der Untersuchung und Beurteilung von Proben und als Sachverständige bei Betriebskontrollen wahr. In den nächsten Jahren wird gerade diese Berufsgruppe vor besondere Herausforderungen gestellt.

Zusammenwachsene Mäkte in der Welt führen nicht nur zu einer Globalisierung des Handels, der sich bei Lebensmitteln und den zu ihrer Herstellung benötigten Rohstoffen bereits sehr früh abgezeichnet hat, sondern lösen auch eine Harmonisierung der an diese Erzeugnisse gestellten rechtlichen Anforderungen aus. Die Schaffung des europäischen Binnenmarktes, der sich auch auf das gemeinschaftliche Lebensmittelrecht stützt, ist nur ein Schritt auf dem Weg zu einer globalen Harmonisierung anzusehen. Wenn ich in diesem Zusammenhang den Codex Alimentarius und dessen Einbindung in das WTO-Abkommen und die zu seiner Durchführung getroffenen Übereinkommen anspreche, stellt dieser Hinweis für sie keine grundsätzlich neue Information dar. Neben diesem Prozeß spielen aber auch Änderungen in unserer Gesellschaft, wie z.B. die Zunahme von Ein-Personen-Haushalten und veränderte Lebens-, Einkommens- und Arbeitsbedingungen, die zu einer höheren Nachfrage nach stärker verarbeiteten Lebensmitteln führen, eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt ist auf die Fortschritte in der Lebensmitteltechnik hinzuweisen, die insbesondere auf dem Gebiet der Gentechnik zu grundlegenden Veränderungen führen. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung muß auch die Aufgabe der Lebensmittelchemiker in der Überwachung neu definiert werden. Vor dem Hintergrund einer zunehmend komplexeren Herstellung und Vermarktung von Lebensmitteln wird es nicht möglich sein, den ständigen Aufgabenzuwachs der Überwachung durch die Schaffung zusätzlicher Stellen und die weitere Aufstockung der Sachmittel zu bewältigen. Hier sind neue Konzepte gefragt. Diese stützen sich immer mehr auf die Kontrolle der betrieblichen Eigenkontrolle sowie eine amts- und länderübergreifende Zusammenarbeit von Untersuchungseinrichtungen.

Wie sie vielleicht wissen, gibt es eine derartige Zusammenarbeit zwischen den Ländern Bremen und Niedersachsen auf dem Gebiet der Untersuchung und Beurteilung von Tabakerzeugnissen, kosmetischen Mitteln und sonstigen Bedarfsgegenständen. Aber das ist nur ein Anfang. Weitere Kooperationen unserer staatlichen Untersuchungsämter mit Stellen anderer Länder sind in Vorbereitung.

Zukünftig stelle ich mir die Arbeit der Untersuchungsämter im Rahmen eines Netzwerkes hochspezialisierter, miteinander kooperierender Einrichtungen vor. Jedes Amt wird nicht mehr alle Untersuchungen selbst durchführen, sondern seine Arbeitsschwerpunkte besonders effizient und kostengünstig bewältigen können, so daß von der Kooperation letztlich alle in das Netzwerk integrierten Stellen profitieren.

Die von einigen Ländern verfolgte Linie, Untersuchungsleistungen vollständig zu privatisieren und Vollzugsaufgaben auf beliehene Unternehmen zu übertragen, scheint mir keine überzeugende Lösung zu sein. Die öffentliche Verwaltung verliert bei einem derartigen Organisationsmodell in den Bereichen, in denen sie Zwangsmaßnahmen durchsetzen oder Verstöße gegen geltendes Recht ahnden muß, wichtige Kernkompetenzen und Synergien. Vorstellen kann ich mir allerdings, einzelne Untersuchungsleistungen, die selten benötigt werden und in öffentlichen Einrichtungen deshalb nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen erbracht werden können, bei Dritten zuzukaufen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung müssen von den Lebensmittelchemikern im öffentlichen Dienst deshalb nicht nur fachliche Kompetenz und die Fähigkeit zur Kooperation, sondern auch Managementeigenschaften gefordert werden, ohne die auch öffentliche Einrichtungen im Wettbewerb zu anderen nicht bestehen können. Bei dem Fortbildungsangebot, das in Niedersachsen auch Lebensmittelchemikern der staatlichen Untersuchungsämter offen steht, wird dies zunehmend berücksichtigt. Ich würde es sehr begrüßen, wenn diese Überlehgungen auch von ihrem Verband aufgegriffen und in entsprechende Aktivitäten umgesetzt würden.

Die Bedeutung der von den Lebensmittelchemikern in der Überwachung wahrzunehmenden Aufgaben wird in Zukunft zunnehmen. Mit einer geeigneten Plattform für den Erfahrungsaustausch unter den Lebensmittelchemikern im öffentlichen Dienst leisten sie einen wichtigen Beitrag, diese Ausfgabe zu erfüllen. Im Interesse dieser, der staatlichen Daseinsvorsorge dienenden Aufgabe setzte ich auch weiterhin auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Landesregierung und Lebensmittelchemikern im öffentlichen Dienst.

Ihrer Jahreshauptversammlung wünsche ich eine guten Verlauf und hoffe, daß sie Celle in guter Erinnerung behalten.

Grußwort von Herrn Dr. Hölzel, Bundesministerium fürGesundheit

Herr Hölzel überbringt insbesondere die Grüße von Frau Dr. Bergmann-Pohl an den BLC. Er erinnert, angeregt durch den Tag der deutschen Einheit am 03.10., an die Entwicklung der letzten Jahre seit der Wiedervereinigung. In den neuen Bundesländern wurde eine neue Verwaltungsstruktur bei der Lebensmittelüberwachung aufgebaut sowie das Lebensmittelrecht und das Berufsbild des Lebensmittelchemikers vereinheitlicht. Dabei betonte er die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Veterinäremediziner und Lebensmittelchemiker in der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Insgesamt wurden in den 5 neuen Bundesländern 10 Mio DM für neue Analysentechnik bereitgestellt. Damit wurde eine flächendeckende Sicherung der Überwachung geschaffen.

Ein Ausblick auf die neuen Anforderungen wurde gegeben. So führt die GD XXIV der EU-Kommission in den nächsten zwei Wochen eine Inspektionsreise in Hessen durch. Im Rahmen der jährliche Koordinierten Überwachungsprogramme (KÜP) der GD XXIV ist für 1999 die Untersuchung von Kaffe auf Ochratoxin und von Zusatzstoffen in Lebensmitteln vorgesehen. Künftige Untersuchungen stellen apparative Anforderungen wie die PCR-Technik. Deshalb sollten in den einzelnen Bundesländern Untersuchungsschwerpunkte, z.B. zu Rückstandsuntersuchungen, geschaffen werden, um die Effizienz der Lebensmittelüberwachung zu stärken. Sein Fazit lautet: "Die Lebensmittelchemiker haben auch weiterhin viel zu tun - packen wir es an!"

Grußwort von Herrn Dr. Preuß

Das Grußwort für die Lebensmittelchemische gesellschaft der GDCh überbringt der neue Vorsiztende, Herr. Dr. Preuß. Er dankt der Vorsiztzenden, Frau Thomas, für die gute Zusammenarbeit bei den undseren Berufsstand betreffenden Problemen.

Probleme gibt es nach seine Worten immer noch genug. Er verweist dabei auf die ungleiche Bezahlung von Lebensmittelchemie-Praktikanten in den einzelnen Bundesländern, die falsche Gehaltseinstufung von Lebensmittelchemikern sowie die Ignorierung von Lebensmittelchemikern bei Stellenausschreibungen einzelner Instituitionen - Themen - die auf dem Lebensmittelchemiker-Tag in München zur Mitgliederversammlung der Lebensmittelchemischen Gesellschaft angesprochen wurden.

Das bei weitem größteProblem sieht er jedoch in der Knappheit der öffentlichen Mittel. Somit sind Einsparungsmaßnahmen in der Lebensmittelüberwachung und -untersuchung, Teilzeit von Mitarbeitern und KW-Stellen der Trend der Zeit. Durch diese Tendenz wird der Verbraucherschutzempfindlich geschwächt. Betriebliche Eigenkontrollen können Gesundheitsrisiken vorbeugen. Einen Schutz des Verbrauchers vor Täuschung bieten sie nicht.

Dies belegt Herr Dr. Preuß mit dem Hinweis darauf, daß die Beanstandungsquoten im Bereich des Täuschungsschutzes durch Einführung betrieblicher Eigenkontrollen nicht abgenommen haben. Durch betriebliche Eigenkontrollen werden nach seiner Meinung in Zukunft vor allem Kapazitäten in der Lebensmittelüberwachung freigesetzt. Wer jedoch versucht, Untersuchungstätigkeit zu reduzieren, schränkt den Täuschungsschutz ein.

Mehr denn je erfordern neue Technologien und neue Märkte gut ausgebildete Lebensmittelchemiker. Egal ob gentechnisch veränderte Lebensmittel oder Produkte aus China, mit dem Lebensmittelchemiker gibt es einen gut ausgebildeten Spezialisten in Deutschland, der die nötige Kompetenz zur Untersuchung und rechtlichen Beurteilung besitzt. Dies sollte nicht eingeschränkt, sondern eher noch ausgebaut werden. Mit Blick auf Herrn Dr. Penning von der GD 24 empfiehlt Dr. Preuß das deutsche Modell des Lebensmittelchemikers für andere Mitgliedstaaten der EU.

Nach seiner Auffassung müssen die Lebensmittelchemiker aber auch beweisen, daß sie diese Kompetenz besitzen. Dabei wirkt sich eine Zersplitterung unseres Berufsbildes ungünstig aus. Die Entwicklung in einzelnen Bundesländern kritisierte er.
Ein Lichtblick bei soviel Problemen ist für ihn die 1996 von Studenten gegründete AG Junge Lebensmittelchemiker der Lebensmittelchemischen Gesellschaft. Hier finden sich engagierte Lebensmittelchemiker, die sich einbringen wollen und für ihre Interessen eintreten.

Grußwort von Herrn Häseler, AG Junge Lebensmittelchemiker

Herr Häseler, Obmann der AG Junge Lebensmittelchemiker in derlebensmittelchemischen Gesellschaft der GDCh, überbringt die Grüße der 28 Mitglieder der jungen AG und stellt diese in seinem Vortrag näher vor.

Die AG wurde 1996 zum Internationalen Lebensmittelchemiker-Tag in Freiburg/ Breisgau gegründet. Sie vertritt die Interessen der Studierenden, Diplomanden, Praktikanten und Doktoranten in der Lebensmittelchemischen Gesellschaft mit je einem/r Sprecher/in an jeder deutschen Universität, die Lebensmittelchemie als Studiengang anbietet. Detaillierte Aufgaben der AG sind in diesem Heft unter der Rubrik "Kurz berichtet" nachzulesen.

Herr van der Laan, Präsident der EALV, gibt einen aktuellen Arbeitsbericht.

Die EALV ist 5 Jahre jung und setzt sich aus insgesamt 8 Verbänden von Lebensmittelkontrolleuren aus verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten und unserem BLC zusammen. Herr van der Laan sieht noch viel Arbeit für die EALV. Zur Zeit wird an einem Prokjekt gearbeitet, um die Qualität der Lebensmittelkontrollen europaweit zu vereinheitlichen. Hierzu werden von der EALV Leitlinen erarbeitet. Das gemeinsame Ziel muß sein: "ein gesunder Verbraucher, der nichtt betrogen wird."

Dr. Penning, Abteilungsleiter in der Generaldirektion XXIV

und damit höchster Überwachungsbeamter Europas war das erhoffte Glanzlicht der Vormittagsveranstaltung. In erfrischender, offener und unverblümter Art, gewürzt von dem ihm eigenen trockenen Humor, berichtete er über das Umdenken in Brüssel: Es waren letztlich Tiere nötig, um den Verbraucherschutz zu stärken, ob sie nun Salmonellen übertragen oder mit BSE infizert waren. Nicht zuletzt der BSE-Skandel habe zur Erkenntnis geführt, daß Sachverständige unabhängig sein müssen. Der Sachverstand war zwar vorhanden, jedoch zu eng mit dem Veterinärausschuß verknüpft, daß Politik in Gutachten hineinspielen konnte. Nun hat man Politik und Sachverständige getrennt und die Lebensmittelüberwachung in den Bereich des Verbraucherschutzes gegeben, also in die Generaldirektion XXIV, die von Frau Bonino geleitet wird. Hier ist die "Zirkulation der Waren" weniger wichtig als der gesundheitliche Verbraucherschutz, und dies ist der neue Denkansatz. Die Devise lautet:"Nur unbedenkliche Lebensmittel sollen auf den Tisch!"

Die Inspektionsreicsen der EU werden keine Details aus den Richtlinien überprüfen, z.B. ob in einem Schlachthof berührungsfreie Waschbecken vorhanden sind oder nicht. Stattdessen soll bei den Kontrollen ein Globalbild entstehen darüber

  • Was der Mitgliedstaat getan hat, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten
  • Wieviel Kontrolleure der Mitgliedsstaat einsetzt und welche Finanzmittel zur Verfügung stehen, um die vorgeschriebenen Kontrollen durchzuführen und
  • Wie die Ausbildung der Kontrolleure im Mitgliedsstaat ist.

Die Fachleute der GD XXIV in Dublin werden als Auditoren nach ISO 45000ff ausgebildet. "Das sollte auch auf nationaler Ebene gemacht werden", meint Dr. Penning. HACCP-Pläne sind immer individuell für jeden Lebensmittelbetrieb zu erstellen. Die Lebensmittelchemiker müssen deshalb aus ihren Labors herausgehen, um die Eigenkontrollmaßnahmen der Privatlabors zu überprüfen. Die GD XXIV will die Kontrollen der EU-Länder nicht übernehmen, das muß das jeweilige Land selbst tun. Aber in allen Staaten sollen gleichwertige Kontrollen auf gleichem Niveau durchgeführt werden. Das ist das Anliegen der GD XXIV.

Die bestehende europäische Gesetzgebung wurde kritisch durchleuchtet. Im Bereich tierischer Lebensmittel ist sie gut geregelt., bei Obst und Gemüse jedoch gibt es noch erhebliche Lücken. Ein Mangel liegt darin, daß die Primärproduktion nicht kontrolliert werden darf. Dies soll durch eine neue globale Hygienegesetzgebung geändert werden. In Deutschland gibt es auch eine gute und vollständige Gesetzgebung hinsichtlich pflanzlicher Lebensmittel, die in der EU in diesem Maße nicht vorhanden ist. Problematisch sind aber besonders die Drittländer, was am Beispiel der Aflatoxin-Rückstände in Pistazien aus dem Iran erläutert wird.

Den Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemikern rief er zu: "Sie müssen aus ihren Labors hinaus und die Technik des Audits lernen. Sie sind dafür prädestiniert, chemische Belange bei den Eigenkontrollsystemen in den Betrieben zu prüfen."


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