Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
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Nachrichten aus den Landesverbänden und Fachgruppen

Niedersachsen

Verwaltungsreform in der Nds. Landesverwaltung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
man sagt, "Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen und die anderen Mauern."

Daran gemessen haben wir schon einen ganzen Windpark gebaut. Der Wind der Veränderung begann mit einer Organisations- und Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vor ca. 12 Jahren. Von den 4 Staatlichen Chemischen Untersuchungsämter in Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Oldenburg wurden drei umstrukturiert. Das Staatliche Chemische Untersuchungsamt Hannover wurde geschlossen. Es entstanden 1. das Staatliche Bedarfsgegenständeuntersuchungsamt (BUA) Lüneburg mit der landesweiten Zuständigkeit für die Untersuchung von Tabakerzeugnissen, Kosmetika und sonstigen Bedarfsgegenständen 2. das Staatliche Lebensmitteluntersuchungsamt (LUA) Braunschweig zur Untersuchung der Lebensmittelproben aus den Regierungsbezirken Hannover und Braunschweig mit den Landesaufgaben "Wein und Spirituosen" sowie "Tierartendifferenzierung"; später ergänzt um das Arbeitsgebiet "Gentechnisch veränderte Lebensmittel" ; das Staatliche Lebensmitteluntersuchungsamt (LUA) Oldenburg zur Untersuchung der Lebensmittelproben aus den Regierungsbezirken Lüneburg und Weser-Ems mit der Landesaufgabe "Organische Umweltchemikalien und Bioindikatoren"; später ergänzt durch das Arbeitsgebiet "Neue Technologien, Qualitätssicherung, Koordinierung von Untersuchungsprogrammen"

Für die Untersuchung von Fischen und Fischwaren wurde ein Schwerpunkt in Cuxhaven gebildet. Diese Aufgabe wurde dem Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt für Fische und Fischwaren in Cuxhaven übertragen.

Längere Zeit wurde das ehemals Staatliche Chemische Untersuchungsamt Hannover als Außenstelle des Staatlichen Lebensmitteluntersuchungsamtes Braunschweig geführt, bis die "Umsiedlung" nach Braunschweig abgeschlossen werden konnte.

Vor allem die Lebensmitteluntersuchungsämter in Braunschweig und Oldenburg sind interdisziplinär arbeitende Einrichtungen, in denen eine Biologin (Nachweis gentechnisch veränderter Lebensmittel), Chemiker, Humanmediziner, Lebensmittelchemiker, eine Diplom-Ingenieurin (Neue Technologien) und Tierärzte zusammenarbeiten.

Mittlerweile war (und das ist nicht spezifisch für Niedersachsen) die Qualitätssicherung, wie sie in der Richtlinie über ergänzende Maßnahmen gefordert wird, über Niedersachsen gekommen. Mit der Einrichtung einer Akkreditierungsstelle, die weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus tätig ist und sich einen guten Namen erworben hat (geleitet von unserem Mitglied Dr. Schulz), begann die Einrichtung von Qualitätssicherungssystemen in den Untersuchungsämtern. Derzeit ist die Begehung durch die Auditoren in den Untersuchungsämtern in Lüneburg, Braunschweig und Oldenburg erfolgreich durchgeführt worden. Damit war der zweite Meilenstein im Niedersächsischen Reformgeschehen geschafft.

Wir alle wissen, wenn eine Idee "reif" ist, dann ist sie durch nichts aufzuhalten. So ist es mit der derzeitigen Verwaltungsreform. "Neue Steuerungsmodelle", "Controlling", "Benchmarking" sowie die "Kosten- und Leistungsrechnung" mit der beliebten "Zeitaufschreibung" lösten die Qualitätssicherung nahtlos ab und verlangen das erneute Bauen von Windmühlen.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Sowohl die Qualitätssicherung als auch die derzeitige Verwaltungsreform sind (mit Augenmaß im Aufwand gebremst) grundsätzlich positiv einzuschätzen. Die Einrichtung von Qualitätssicherungssystemen hat uns für das eine oder andere Problem sensibler gemacht und eine Reform tut nicht nur Verwaltungen gut. Reformen bewirken Weiterentwicklung. Auch für uns gilt: Stillstand ist Rückschritt.

Im Rahmen der Verwaltungsreform wurde das Berichtswesen eingeschränkt. So wird aus dem ehemaligen Quartalsbericht zukünftig ein Jahresbericht. Zusätzlich werden jetzt für das Controlling regelmäßig Steuerungsinformationen aus unserer Probendatenbank gewonnen. Sie sollen später auch für den Vergleich (Benchmarking) mit anderen Untersuchungseinrichtungen herangezogen werden. Der Prozess der Entwicklung von Kennzahlen zur Steuerung ist allerdings aus der Sicht des LNL noch nicht abgeschlossen und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Kosten- und Leistungsrechnung ist ein Werkzeug des Controllings. Hier sind wir im LUA Oldenburg in einer Pilotphase. In ausgewählten Kostenstellen wird die Zeitaufschreibung zur Erfassung der Leistungen erprobt. Aus den dabei gewonnen Daten müssen später die Steuerungsinformationen für die Produkte, die nicht direkt mit der Probenuntersuchung zusammenhängen, wie das Erarbeiten von Stellungnahmen oder die Mitwirkung bei Betriebskontrollen, gewonnen werden.

Sicher, das Zeitaufschreiben ist lästig. Aber es bietet sich hier die Möglichkeit, unsere Untersuchungsämter aus einer ganz neuen Sicht kennenzulernen. Damit erhalten wir hoffentlich Hinweise, wie unsere Arbeit weiterhin verbessert aber auch objektiv erfaßt und anschaulich dargestellt werden kann.

Das Land Niedersachsen hat Software der Firma Baan für die KLR und das automatisierte Haushaltskassenwesen sowie einzelne andere Anwendungen erworben. Der nächste Meilenstein ist geschafft (oder, um im Bild zu bleiben, die nächste Windmühle ist gebaut) mit der Einführung der KLR-Software der Firma Baan in den Untersuchungsämter.

Vorbedingung für die Benutzung dieser Software ist der Anschluß der Untersuchungsämter an das Niedersächsische Intranet. Es gibt einen veröffentlichten Kabinettsbeschluß, wonach zukünftig nach Möglichkeit die elektronische Post vorrangig vor der konventionellen Post zu verwenden ist. Dazu wird vom IZN (Informatik-Zentrum Niedersachsen), ein privatisierter Teil des ehemaligen Landesverwaltungsamtes, ein Netzwerk aufgebaut.

Der vorläufig letzte Schritt wird dann die Teilnahme am automatisierten Haushaltskassenwesen, was ebenfalls die Vernetzung voraussetzt, sein. Mit diesem automatisierten Haushaltskassenwesen sollen bis zum Jahr 2000 etliche Tausend User an eine zentrale Kassenstelle angebunden sein. Der damit verbundene Installations- und Schulungsaufwand ist immens.

Womit wir beim letzten Thema sind: Schulung Angenehme Begleiterscheinung der Verwaltungsreform ist die mittlerweile geschaffene Möglichkeit, vermehrt an Schulungen über Mitarbeiterführung, Konfliktlösung, betriebswirtschaftliche Grundlagen, Zeitmanagemant etc. teilzunehmen.

Dr. Klaus Meylahn


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