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Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
im öffentlichen Dienst e.V. (BLC)
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Fremdbestäubung
Sind transgene Nutzpflanzen in der Lage, über ihren Pollen harmlose Wildpflanzen in gefährliche Unkräuter zu verwandeln, indem sie die gentechnisch eingeführte Resistenz für ein Pflanzenschutzmittel auf andere Pflanzen übertragen? Diejenigen, die vor allem den Nutzen von herbizidresistenten Nutzpflanzen sehen, sind bisher der Meinung gewesen, dass der natürliche Pollenfluss bei selbstbestäubenden Kulturpflanzen als mögliche Gefahrenquelle zu vernachlässigen sei.
Dass dies nicht immer der Fall sein muss, hat jetzt eine Studie amerikanischer Forscher gezeigt. In einem Freilandversuch untersuchten sie das Fortpflanzungsverhalten von gentechnisch veränderten Arabidopsis-Pflanzen, die ein mutiertes Enzym enthielten; das sie vor dem Herbizid Chlorsulfuron schützt. Das dafür verantwortliche Gen stammt aus einer Arabidopsis-Mutante, bei der die Herbizidresistenz mit einem konventionellen pflanzenzüchterischen Verfahren erzeugt worden war. Zur Kontrolle pflanzten die Wissenschaftler auch diese Mutanten sowie Wildtyp-Pflanzen an. Der kleine Kreuzblütler Arabidopsis thaliana gilt als Selbstbestäuber, bei dem Fremdbestäubung nur äusserst selten auftritt. Als die Wissenschafter am Ende der Saison die Samen aller Versuchspflanzen auf eine Resistenz gegenüber Chlorsulfuron hin testeten, machten sie eine erstaunliche Entdeckung: Viel mehr Samen als erwartet keimten in Anwesenheit des Pflanzenschutzmittels. Doch woher stammte die Resistenz? Weitere Untersuchungen ergaben, dass der neu erworbene Schutz zum Grossteil auf die transgenen Versuchspflanzen zurückzuführen war. Sie zeigten eine rund 20-fach höhere Fremdbestäubungsrate als die Mutanten.
Auch wenn die Wissenschafter zugeben, dass sie den zugrundeliegenden genetischen Mechanismus noch nicht kennen, hat ihre Studie ein eindeutiges Ergebnis. Die durch Gentechnik erzeugten herbizidresistenten Pflanzen haben ihren Pollen in viel grösserem Masse auf wilde Nachbarn übertragen, als die Forscher erwartet hatten. Inwieweit, das künstlich eingeführte Resistenzgen selbst dafür verantwortlich ist bleibt ebenso unklar wie die Verallgemeinerung dieser Studie auf andere gentechnisch veränderte Pflanzen. Hierzu sind weitere Experimente erforderlich.
Daniel Dreesmann, Neue Zürcher Zeitung 16.09.1998 Nr. 214 Quelle: Nature 395, 25 (1998).
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