Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
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Nahrungsergänzungsmittel

Notwendiger Teil einer modernen Ernährung oder nur großes Geschäft?

Zur Zeit wird der deutsche Lebensmittelmarkt von Nahrungsergänzungsmitteln überschwemmt. Dem Verbraucher wird in der Werbung zu Unrecht der Eindruck vermittelt, dass eine ausreichende Ernährung mit den üblichen und ihm vertrauten Lebensmitteln nicht möglich sei.

Nahrungsergänzungsmittel sind - wie Brot, Butter und Fleisch - Lebensmittel.

Lebensmittel dienen vor allem der Ernährung. Unter Ernährung versteht man die Zufuhr der Stoffe, die für die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels und damit aller Lebensvorgänge notwendig sind. Zu diesen Nährstoffen zählen Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, Vitamine, essentielle Mineralstoffe und Spurenelemente, aber auch Ballaststoffe. Die Aufnahme all dieser Nährstoffe sollte mit einer abwechslungsreichen gemischten Kost bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr erfolgen.

Bei "Nahrungsergänzungsmitteln" handelt sich in aller Regel um einen oder mehrere dieser Nährstoffe in konzentrierter Form. Sie werden wie Arzneimittel als Tabletten, Dragees, Kapseln und Pulver, aber auch in flüssigen Zubereitungen als Tropfen oder Trinkampullen angeboten.

Sie sollen unsere Nahrung dann ergänzen, wenn auf Grund einseitiger oder unzureichender Ernährung ein Mangel droht. Dies kann z. B. der Fall sein bei Schwangeren bzw. Frauen mit Kinderwunsch, die einen erhöhten Bedarf an dem B-Vitamin Folsäure haben können. Bei älteren Menschen, die durch Osteoperose gefährdet sind, kann eine zusätzliche Zufuhr von Calcium angezeigt sein, wobei diese alleine nicht ausreicht. Ohne gleichzeitige Bewegung und sonstige vernünftige Ernährung hilft auch die zusätzliche Einnahme von Calciumpräparaten nichts. In manchen Berufen muss man sehr auf ein geringes Gewicht achten und deshalb seine Kalorienzufuhr kleinhalten. Dies gilt z. B. für Tänzerinnen. Wer weniger isst, läuft aber auch Gefahr, dass er nicht nur weniger Kalorien, sondern auch weniger "Mikronährstoffe" wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu sich nimmt. Bei Frauen im gebärfähigen Alter kann es eventuell notwendig sein, eisenhaltige Präparate einzunehmen.

In diesen - beispielhaft genannten Fällen - können daher Nahrungsergänzungen durchaus sinnvoll sein.

Bei der Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten lauern aber auch Gefahren, die vielen Verbrauchern nicht bekannt sind:

Bestimmte Vitamine wie A und D können in hohen Dosen sogar gesundheitsschädlich sein, weshalb man hier nur die einfache Tagesdosis verzehren sollte. Auch bei dem bislang als harmlos geltenden Beta-Carotin (Provitamin A, enthalten z. B. in Karotten) gelten hohe Dosen nicht mehr als unbedenklich. Neuere Forschungsergebnisse haben sogar gezeigt, dass auch die in der Werbung als besonders "gesund" dargestellten Vitamine E und C in hohen Dosen schädlich sein können

Wer glaubt, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in Tabletten oder Kapseln zur "Nahrungsergänzung" zu brauchen oder wem dies vom Arzt empfohlen wird, sollte deshalb unbedingt auch auf die Mengen achten und sich über die zur täglichen Ernährung notwendigen "Dosen" informieren. Zu einem "seriösen" Erzeugnis gehört daher sicherlich auch, dass auf der Packung eine eindeutige Verzehrsempfehlung mit Angabe der täglichen Bedarfsdeckung vorhanden ist.

Sinnvoller ist es jedoch sich daran zu erinnern, dass Beta-Carotin und die Vitamine E und C nicht über Pillen und Tabletten eingenommen werden müssen, sondern auch in zahlreichen Lebensmitteln enthalten sind. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfahl bereits im Ernährungsbericht 1996 die Zufuhr dieser Vitamine mit den Lebensmitteln, die natürlicherweise reich an diesen Stoffen sind. Dies sind zum Beispiel

  • "gelbe" und "rote" Gemüsearten für Beta-Carotin
  • Obst, Gemüsepaprika, Kohl oder Brokkoli für Vitamin C
  • Schalenobst (Nüsse) für Vitamin E.

Weitere Vorteile sind, dass hiermit eine gesunde Mischkost gefördert wird, zusätzlich Ballaststoffe und weitere Pflanzeninhaltsstoffe aufgenommen werden und man letztlich auch etwas für die Zähne tut.

Die unter dem Begriff Nahrungsergänzung angebotene Produktpalette ist groß und fast unüberschaubar. Nicht selten werden Produkte mit dem Begriff Nahrungsergänzungsmittel vermarktet, obwohl mit ihnen eine Ergänzung der Nahrung nicht möglich ist. Zunehmend werden auch pflanzliche Bestandteile sowie Einzelsubstanzen zur Herstellung von Nahrungsergänzungen verwendet, die keine Lebensmittel sondern Arzneimittel sind. Hier wird offensichtlich unzulässiger Weise versucht, dass aufwendige Verfahren zur Arzneimittelzulassung zu umgehen, was gesundheitliche Risiken in sich birgt. Sehr häufig werden sogenannte Nahrungsergänzungen auch massiv in der Presse beworben und ihnen werden wunderbare Wirkungen zugesprochen.

Beispiele hierfür sind:

Apfelessig-Extrakte in Kapseln mit oder ohne Zusatz von Vitaminen. Der Verzehr der Kapseln soll nicht nur schlank machen, sondern ganz allgemein das Wohlbefinden erhöhen. Mit Apfelessig gefüllte Kapseln enthalten jedoch Nährstoffe nur noch in Mikromengen, also in einer für die Ernährung völlig unbedeutenden Größenordnung. Von schlankmachender Wirkung kann keine Rede sein, das Wohlbefinden ergibt sich allenfalls aus dem Glauben. Hier wäre es sicher gesünder und billiger, gleich den Apfel zu essen.

Gelatine bzw. Gelatine-Hydrolysate in Form von Trinkampullen oder Granulaten sollen vor Gelenkabnutzungen schützen und sogar bei Arthrose Linderung bringen. Tatsächlich ist Gelatine ein minderwertiges Eiweiß, das vornehmlich die nicht essentiellen Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin enthält. Der Körper ist auf diese Art der Zufuhr nicht angewiesen, denn er kann diese Aminosäuren selbst herstellen. Träfen die versprochenen Wirkungen für Gelatine zu, so wäre der Verzehr von Gummibärchen nicht nur schmackhafter, sondern auch billiger.

Zusammenfassung:

Es ist Sache des einzelnen Verbrauchers, seine Ernährung zu gestalten. Er selbst entscheidet auch, ob er sich nach Empfehlungen von Ernährungswissenschaftlern - z.B. der DGE - richtet oder "unsolide" lebt. Er sollte allerdings nicht glauben, dass er ein falsches Ernährungsverhalten durch den Verzehr von Nahrungsergänzungen ausgleichen kann. Diese können durchaus ihren Sinn haben, doch beschränkt sich dies derzeit auf die Zufuhr der bekannten Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, und dies sind:

Die Vitamine A (und Provitamin A), B1, B2, B6, B12, Niacin, Pantothensäure, Biotin, C, D und E (die Zufuhr von K ist nicht nötig).

Essentielle Mineralstoffe sind: Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium, , Chlorid und Phosphor, essentielle Spurenelemente sind Chrom, Fluor, Jod, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen.

Will man mit anderen "Wirkstoffen" etwas erreichen, sollte man sich vorher gründlich informieren. Hierzu sind Rückfragen bei den Verbraucherzentralen, aber auch bei den örtlich zuständigen Untersuchungsämtern möglich. Adressen können beim Ordnungsamt oder Kreisverwaltung erfragt werden.

Dr. Gerd Zieprath, Helmut Streit, Mainz


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