Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
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Buchbesprechungen

Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Roth und Prof. Dr. Helmut Fenner, Arzneistoffe; Struktur - Bioreaktivität - Wirkungsbezogene Eigenschaften, 3. Auflage 2000, 806 Seiten, DM 142, Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart, Birkenwaldstr. 44, 70191 Stuttgart

Ein Grundnahrungsmittel für Studierende der Pharmazie. Ein Leckerbissen für Apotheker aller Tätigkeitsfelder. Mit dieser anspruchsvollen Zielsetzung wendet sich das o.g. Buch an den potentiellen Leser.

Wird das Werk diesem Anspruch gerecht?

Die behandelten Arzneistoffe werden - gemäß pharmakologischer Wirkung - in 9 Kapitel aufgeteilt, z.B. Chemotherapeutika und Antibiotika, Stoffe mit Wirkung auf Nervensystem und Muskulatur oder den Respirationstrakt, Vitamine, Diagnostika etc.. In den Unterkapiteln nehmen die Autoren eine weitere Differenzierung nach der Pharmakologie vor, z.B. finden sich im Kapitel "Chemotherapeutika und Antibiotika" dann "Antibakterielle Wirkstoffe", "Antimykotische Wirkstoffe", "Antivirale Wirkstoffe" u.a.. Schließlich erfolgt eine letzte Untergliederung nach chemischer Struktur und Verwandtschaft, so werden "Antimykotische Wirkstoffe" weiter untergliedert in z.B. Imidazolderivate, Thiocarbamate, Allylamine etc..

Bereits beim ersten Durchblättern werden Unterschiede zu anderen Lehrbüchern der pharmazeutischen Chemie deutlich: Die Autoren legen - gemäß dem gewählten Buchuntertitel - großen Wert auf Didaktik mittels Strukturformeln. 2500 dieser Formeln lehren dabei nicht nur den "bloßen" chemischen Aufbau der beschriebenen Arzneistoffe, sondern zeigen anhand zahlreicher Beispiele anschaulich, welche Veränderungen im Molekül Auswirkungen auf pharmakologischen Eigenschaften haben. In den Graphiken sind diese Änderungen meist hervorgehoben, so dass sich der Leser rasch zwischen dem für die Wirkung unabdingbaren Grundgerüst und den chemischen Modifikationen zur Abwandlung der pharmakologischen Wirkung unterscheiden kann.

Im Textteil werden neben diesen Struktur-Wirkungsbeziehungen zudem Pharmakokinetik, Biotransformation und Wirkungsmechanismus erläutert.

Ein Pharmakologie-Buch soll sicherlich nicht ersetzt werden, weshalb die Wirkungen der Arzneistoffe zuweilen recht knapp beschrieben sind. So erfährt der Leser zwar, dass Minoxidil als Vasodilatator Anwendung findet, die für viele Männer wesentlich interessantere Verwendung - nämlich als Haarwuchsförderer - wird jedoch übergangen.

Auch die neue Hilfe für den potentiellen Nichtraucher, das Entwöhnungsmittel Bupropion, sucht man vergeblich.

Andere hochaktuelle "Lifestyle"-Arzneimittel wie Sildenafil (Viagra) oder der Lipase-Hemmstoff Orlistat haben dagegen Eingang in das Werk gefunden.

Die zahlreichen Neueinführungen der letzten Jahre machen es sicherlich nahezu unmöglich, ein solches Buch ohne Lücken zu konzipieren. Seit der 2. Auflage sind 6 Jahre vergangen, in die vorliegende 3. Auflage konnten aber nur 177 neue Arzneistoffe aufgenommen werden. Den einen oder anderen neueren Wirkstoff vermißt man daher auch, so z.B. Rofecoxib (COX-2-Inhibitor), Alosetron (selectiver 5-HT3-Antagonist) oder das gegen Osteoporose verwendete Risedronat. Insgesamt wurden innovative neue Arzneistoffe jedoch umfangreich berücksichtigt, so kann sich der Leser z.B. detailliert über neue Trends bei der HIV-Bekämpfung mittels Inhibitoren der HIV-Protease oder neuartige Blutdrucksenker wie den Antagonisten der AT1-Rezeptoren von Angiotensin II informieren.

Seit der letzten Auflage wurden im Gegenzug zu den Ergänzungen auch 88 Arzneistoffe gestrichen; dies macht sich zuweilen bemerkbar, so sind therapeutisch durchaus noch relevante Stoffe wie Flunarizin (Vasodilatator), Josamycin (Makrolid-Antibiotikum) oder Mesalazin (zur Behandlung von Colitis Ulzerosa) nicht mehr berücksichtigt.

Insgesamt liegt ein Lehrbuch vor, welches sich von anderen Büchern der pharmazeutischen Chemie vor allem aufgrund seiner Fülle an Details zu den bereits im Titel genannten Struktur-Wirkungsbeziehungen unterscheidet. Als Nachschlagewerk in diesem Sinne lohnt sich die Anschaffung zweifellos, lediglich der Preis von 142 DM dürfte insbesondere den studentischen Geldbeutel etwas schmerzen.

H. Streit, Wackernheim

Souci . Fachmann . Kraut (bearbeitet von Heimo Scherz und Friedrich Senser), Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen, 1182 Seiten, medpharm Scientific Publishers Stuttgart, 6. Auflage 2000, ISBN 3-88763-076-9

Alle Tabellen wurden in der 6. Auflage der "Zusammensetzung der Lebensmittel" revidiert und ergänzt. Neu hinzugekommen ist das Kapitel Wildgemüse sowie die Bereiche bioaktive Stoffe, trans-Fettsäuren und Gesamtstickstoffgehalt.

Im Kapitel Wildgemüse werden insgesamt 20 Wildgemüsesorten aufgeführt. Hierunter fallen z.B.: Barbarakraut, Franzosenkraut und Wiesenbocksbart. Der Autor weist im Vorwort darauf hin, dass die genannten Blattgemüse in früheren Zeiten gängige Lebensmittel waren, dann aber in Vergessenheit gerieten. In Zukunft werden sie jedoch - nach Auffassung des Autors - im allgemeinen Trend zu Bioprodukten erneut wieder an Aktualität gewinnen. Das Kapitel Wildgemüse ist zwar informativ, die genannten Gemüsesorten werden jedoch auch künftig in der breiten Bevölkerung nur eine geringe Rolle für die Ernährung spielen. Weiterhin ist anzumerken, dass Spitzwegerich hierbei auch als Wildgemüse genannt ist. In diesem Fall handelt es sich jedoch nicht um ein Lebensmittel sondern um ein Arzneimittel.

Bioaktive Stoffe kommen vor allem in Obst und Gemüse wie z.B.: Brokkoli, Grünkohl, Karotten und Tomaten vor. Hierzu zählen u.a. Flavonoide und Glucosinolate. Als bioaktive Stoffe werden in den Tabellen Glutathion, Kampferol, Quercetin, Myrecetin, Orotsäure und Isorhamnetin aufgeführt. Diese Auswahl scheint willkürlich zu sein, da Isorhamnetin im Vergleich zu Lycopin, das in Tomaten vorkommt, nur wenig bekannt ist. Im Vorwort weist der Autor darauf hin, dass nach neuen Erkenntnissen positive ernährungsphysiologische Wirkungen von diesen Stoffen erwartet werden. Ihre Nennung in den Tabellen bedeutet aber nicht, dass eine positive Wirkung tatsächlich wissenschaftlich bewiesen ist.

Neu aufgenommen wurden trans-Fettsäuren, die natürlicherweise in Fleisch, Fisch und Milch vorkommen. Vaccensäure ist bei Milch und Milchprodukten die Hauptkomponente der trans-Fettsäuren. Toxische Effekte wurden bislang nicht nachgewiesen, es ist jedoch dennoch nicht auszuschließen, dass trans-Fettsäuren den Cholesterinspiegel beim Menschen negativ beeinflussen können. Daher erscheint die Aufnahme der trans-Fettsäuren im vorliegenden Tabellenwerk sinnvoll.

Weiterhin ist in den Nährwert-Tabellen zusätzlich zum bereits angegebenem Proteingehalt auch der Gesamtstickstoffgehalt mit Nennung des Umrechnungsfaktors aufgeführt.

Anzumerken ist, dass in der Tabelle für Kakao ein Theobromin-Gehalt von 2300 mg/100g angegeben ist. Eigene Untersuchungen ergaben jedoch einen Gehalt der 10% niedriger als der genannte Wert liegt. Diese Angabe sollte daher bei der nächsten Überarbeitung des Tabellenwerkes überprüft werden.

Die 6. Auflage dieses Buches ist ein Standardwerk für alle, die sich über die Zusammen-setzung der Lebensmittel informieren wollen.

Dr. C. Schleich

Dieter Meißner: Spurenelemente, Speziationsanalyse, Supplementierung und Therapie mit Spurenelementen, 204 Seiten, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 1999, ISBN 3-8047-1663-6

In der Schriftenreihe der Gesellschaft für Mineralstoffe und Spurenelemente ist der Band "Spurenelemente, Speziationsanalyse, Supplementierung und Therapie mit Spurenelementen" erschienen, der insgesamt 32 Beiträge verschiedener Autoren zusammenfaßt. Hierbei handelt es sich um Vorträge, die auf der 13. Jahrestagung der Gesellschaft für Mineralstoffe und Spurenelemente im Oktober 1999 in Dresden gehalten wurden.

Im Kapitel Speziationsanalyse werden sowohl theoretische Grundlagen und Details der praktischen Durchführung der Analytik als auch zahlreiche Anwendungsbeispiele, vorwiegend aus dem Bereich Medizin besprochen. Die meisten Elemente üben ihre Wirkung im Organismus nicht als freie Atome oder Ionen aus, sondern als Bestandteile von Makromolekülen (Proteine, Enzyme, Hormone etc.) oder anhand ihrer unterschiedlichen Oxidationsstufen. Deshalb steht die qualitative und quantitative Erfassung der Bindungsformen ( = Spezies) im Vordergrund.

Die erste Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen Kopplungstechniken in der Elementspeziesanalytik wie HPLC mit AAS bzw. HPLC mit ICP-OES oder ICP-MS.

Weiterhin stellen in diesem Kapitel z.B.: die Autoren Brätter und Raab ihre Untersuchungsergebnisse bezüglich der Speziation von Spurenelementen in Muttermilch und industriell gefertigter Säuglingsanfangsnahrung vor. Ausgehend von der Annahme, dass die Bioverfügbarkeit der Spurenelemente in der Muttermilch optimal ist, wurde zum Vergleich die Bindungsmuster von supplementierter Säuglingsanfangsnahrung untersucht. Bei den Elementen Kupfer, Eisen und Zink werden in der Muttermilch Bindungsformen festgestellt, die in der Ersatznahrung nicht vorkommen und möglicherweise die unterschiedliche Bioverfügbarkeit erklären.

Der Beitrag von Gössler beschäftigt sich mit der Speziation von Selen in Supplementierungspräparaten. Hierbei zeigte sich, dass in selenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln entgegen den Angaben auf dem Etikett Selen nicht als Selenmethionin vorlag. Dies bedeutet, dass Selen isoliert und nicht in Form von Selenhefe zugegeben wurde.

Die Beiträge im Kapitel Supplementierung und Therapie mit Spurenelementen verdeutlichen, in welcher Situation eine Supplementierung sinnvoll ist und wie wirkungsvoll Spurenelemente als Therapeutika eingesetzt werden.

Im Vortrag von Reinhardt geht es um die Supplementierung und Therapie mit Jod. Es wurde eine indirekte Methode für die Bestimmung von Jod im Urin angewandt. In diesem Beitrag wird auf die Folgen des Jodmangels eingegangen und der Einsatz von jodiertem Speisesalz und jodierten Fertignahrungsmitteln befürwortet.

Ein weiterer Beitrag befaßt sich mit Mineralstoffen und Spurenelementen im Sport. Der Autor berichtet, dass Mangelzustände bei den Elementen Zink, Magnesium und Eisen bei Sportlern dokumentiert wurden. Eine "blinde" Supplementierung ist aber auch bei Sportlern nicht sinnvoll. Weiterhin konnte eine Leistungssteigerung durch Übersupplementierung nicht nachgewiesen werden.

Das letzte Kapitel fasst die Beiträge Spurenelementen als Indikatoren und Risikofaktoren aus pathophysiologischer Sicht zusammen. In diesem Abschnitt wird z.B. auf edelmetallhaltigen Zahnersatz wie Platin, Palladium und Gold eingegangen. Ein weiterer Vortrag beschäftigt sich mit der Schwermetallanalytik in biologischen Matrices von Blut und Urin von Probanden im Raum Dresden.

Die Beiträge in diesem Buch geben einen guten Überblick über die Supplementierungs- und Therapiemöglichkeiten mit Spurenelementen. Es richtet sich überwiegend an Mediziner und Ernährungswissenschaftler und in zweiter Linie an Lebensmittelchemiker.

Dr. C. Schleich


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