Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
im öffentlichen Dienst e.V. (BLC)
BLC Logo

Nahrungsmittel - eine Herausforderung für das nächste Jahrtausend

von Jörg Häseler, Berlin

Die Ernährung einer Weltbevölkerung, die in wenigen Jahren die 6-Milliarden-Grenze überschreiten wird, ist ohne industrielle Nahrungsmittelproduktion nicht vorstellbar. Der Erfolg im Kampf gegen Hungersnöte wird in Zukunft nicht mehr nur ein Verteilungsproblem, sondern eine Frage der absolut verfügbaren Nahrungsmittelmenge sein. Diese zu steigern geht nur über eine effizientere Nutzung der immer knapper werdenden Agrarflächen und die Vermeidung von Ernteausfällen. Die Komplexität des Themas wird u. a. in der Definition des in den letzten Jahren geprägten Ausdrucks "Life Sciences" als Sammelbegriff für Gesundheits- und Ernährungswissenschaften deutlich: Die Life Sciences bringen neben pharmazeutischen Produkten zur Heilung von Krankheiten bei Mensch und Tier auch Produkte zur Verbesserung der Qualität und Quantität von Nahrungsmitteln hervor: Pflanzenschutz-, Saatzucht-, Düngemittel. Auch der Einsatz von Gen- und Biotechnologie in der Nahrungsmittelherstellung zählt hierzu.

Aufgrund der zunehmenden Konzentration einstmals klassischer Chemiekonzerne auf Life Sciences und die enge technologische Verwandtschaft von Chemie-, Pharma- und Nahrungsmittelproduktion wird CHEManager künftig verstärkt auch diesen Komplex behandeln. Zudem wird diese Branche zu einer der innovationsstärksten der nächsten Jahre avancieren, so daß dem Gebiet Forschung und Entwicklung eine bedeutende Rolle zukommen wird.

Schlagworte wie Light Produkte, Novel Food, Nutraceuticals, Bioprodukte, Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel, Schadstoffe und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in der Nahrung sind Themen, die die chemisch-pharmazeutische Industrie direkt betreffen und deren Hintergrund ebenso von allgemeinem Interesse ist.

So lassen sich eine Reihe von Themenkomplexen definieren:

  • Lebensmitteltechnik
  • Industrielle Nahrungsmittelproduktion
  • Prozeß- und Verfahrenstechnik
  • Qualitätssicherung
  • Lebensmittelanalytik
  • Produktionsplanung- und -steuerung
  • Produktionssicherheit
  • Abfüll- und Verpackungstechnik
  • Umweltschutztechnologie
  • Gen- und Biotechnologie
  • Lebensmittelzusatzstoffe

Fachleute sind aufgerufen, die gestellten Fragen kompetent zu beantworten. Viele Disziplinen sind hier angesprochen. Von Lebensmitteltechnologen und Lebensmittelchemikern über Forscher, Produktionsingenieure, Biochemiker und Mikrobiologen zu Veterinären und Humanmedizinern. Beabsichtigt ist, die Technologie und die Verfahrenstechnik noch näher zusammenzuführen. Überschneidungen der verschiedenen Disziplinen sind nicht zu vermeiden, eher gewollt und wünschenswert.

In Zeiten, in denen der Verbraucher jederzeit und an jedem Ort jedes Lebensmittel konsumieren will, ist jeder Produzent bestrebt, die gesteigerte Nachfrage zu befriedigen. Er muß gewährleisten, daß seine Produktionsbedingungen optimal genutzt werden. Hierfür sind einige Maßnahmen hinsichtlich der Automatisierung unverzichtbar, ob es das Dosieren, Mischen, Fördern, Filtrieren oder Sieben, Abfüllen oder Verpacken betrifft, fast alle Produktionsschritte werden prozeßtechnisch gesteuert. Um diese vielfältigen Automatisierungstechniken zu lenken und zu kontrollieren, ist die Nutzung anwenderorientierter Visualisierungs- und Protokollierungssoftware notwendig geworden, ebenso der Datenaustausch mit höhergelagerten Hierarchieebenen eines Unternehmens.

Mit der gültigen Zusatzstoff-Zulassungs-Verordnung ist die Zahl an Zusatzstoffen gestiegen (z. B. Farbstoffe, Aromen, Süßstoffe und Konservierungsstoffe). Die Wirkungsweise der verschiedenen Stoffklassen ist ein interessanter Aspekt.

Derzeit viel diskutiert ist die Umsetzung der Lebensmittelhygiene-Verordnung. Eng verbunden damit ist das HACCP-Konzept, das sich mit der Erhaltung der Qualität des Lebensmittels bei dessen Produktion, aber auch auf dem Weg vom Hersteller zum Verbraucher befaßt. Rechtliche Vorgaben und die Möglichkeiten der Überwachung sind hier angesprochen. Oft werden in einem Atemzug auch die Begriffe QM und QS genannt.

Rückstände von Pflanzenschutz- oder Tierarzneimitteln sowie organische Verunreinigungen sind weitere Probleme in der Lebensmittelindustrie, obwohl bereits einige Antibiotika durch die EU verboten wurden. Dieses Thema ist auch von den Analytikern sehr stark besetzt. Biosensoren in der Lebensmittelanalytik sind eine neue Herausforderung neben dem ständigen Streben immer weniger Moleküle detektieren zu können. Desweiteren sind rasche Analysenmethoden notwendig, um z. B. BSE nachzuweisen. Doch auch für den Bereich der Nachweise für Produkte aus gentechnisch veränderten Organismen wird die Analytik stark gefordert.

Um für alle diese Aufgaben kompetente Fachleute zu haben, werden sich auch die Studiengänge und Ausbildungsberufe an diesen Fragen messen lassen müssen. Hierzu findet z. B. bei den Lebensmittelchemiker/innen schon lange Überlegungen statt, die Inhalte des Studiums zu überarbeiten und anzupassen.

Wie Sie sehen, zeigen alle diese Themen, daß wir uns stärker mit diesen mannigfaltigen Sachverhalten auseinandersetzen müssen. Sie sind eingeladen, sich an der Diskussion tatkräftig zu beteiligen.

Jörg Häseler, Berlin


BLC zurück zur BLC Homepage BLC Volltextsuche back 1 Seite zurück