Die neue Lebensmittelhygieneverordnung
- eine Herausforderung für die Lebensmittelchemiker in der amtlichen Überwachung -Das "Neue" hier ist die verbindliche Forderung zur Einrichtung von Eigenkontrollsystemen, welche die Unternehmen in Anlehnung an das HACCP-Konzept erarbeiten müssen. Aufgabe der amtlichen Lebensmittelüberwachung ist es dabei, die von den Unternehmen eingerichteten Eigenkontrollsysteme zu begutachten und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes zu bewerten. Aufgabe der Lebensmittelüberwachung bedeutet hier aber auch, es ist eine Aufgabe für die Lebensmittelchemiker - gilt es doch, anhand technologischer Abläufe, der stofflichen Beschaffenheit von Lebensmitteln usw. nicht nur mikrobiologische, sondern auch chemische und physikalische Risiken zu erkennen und zu bewerten - Kenntnisse, die der Lebensmittelchemiker auf Grund seiner Ausbildung bereits mitbringt. Dies reicht jedoch bei weitem nicht. Notwendig sind nun auch Kenntnisse über Aufbau und Funktion von Qualitäts- und Managementsystemen. Das führt zu der Frage, ob wir bereit sind, uns dieser Herausforderung zu stellen. Schaut man sich unter den Kollegen um, dann zwingt sich der Eindruck auf, daß nur wenigen von uns dieses Problem mit seiner ganzen Tragweite bewußt ist und Fortbildungen in bezug auf Qualitätsmanagementsysteme vielfach für nicht erforderlich gehalten werden. Andere Berufsgruppen sehen dies ganz anders und entwickeln ganze Strategien, um sich fit zu machen für diese "neue Aufgabe". Die Wirtschaft wartet auch nicht, bis wir genug überlegt haben, ob QM oder HACCP für uns wichtig sind oder nicht - sie führt diese Systeme ein. Folglich sind viele von uns nicht "fit genug", um die von den Unternehmen eingerichteten Eigenkontrollsysteme zu beurteilen oder zu bewerten - man überläßt das Feld anderen und zieht sich hinter den Labortisch zurück. Die Folge wiederum ist, daß man sich von der Praxis der Lebensmittelherstellung und -kontrolle abnabelt und nicht mehr Sachverständiger für Lebensmittel und Bedarfsgegenstände ist. Solche Kolleginnen und Kollegen wird man dann aber auch ohne weiteres durch Analysenknechte aus anderen Berufsgruppen ersetzen können. Wir appellieren daher an jeden einzelnen, die diesbezüglich angebotenen Fortbildungsveranstaltungen zu nutzen. Bei der Organisation und der Finanzierung solcher Fortbildungsveranstaltungen sind die Landesverbände und auch die Länderministerien gefragt und sollten hier aktiv Unterstützung geben. Fazit: Gelingt es uns nicht, auf die neuen Erfordernisse in angemessener Weise zu reagieren, bleiben wir innerhalb solch hart umkämpfter Arbeitsgebiete nicht wettbewerbsfähig! Gundula Thomas |