| |
|
Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
im öffentlichen Dienst e.V. (BLC)
|
 |
3. Functional Food Symposium vom 31. März bis 01. April 1998 in Wiesbaden
4. Dr. Klaus Ragotzky (Unilever)
nahm aus Sicht der Lebensmittelindustrie zu Functional Food Stellung: War unsere Ernährung bislang in erster Linie auf die Grundversorgung mit Nährstoffen und den sensorischen Bereich ausgerichtet, sind subklinische Mangelzustände und langfristige Schutzmaßnahme künftig in Ernährungsüberlegungen einzubeziehen. Functional Food zielt in hohem Maße auf eine Verminderung von Risikofaktoren und damit Vorbeugung von Krankheiten.
In Japan werden die tertiären Funktionen von Lebensmittel und ihren Inhaltsstoffen seit den 80er Jahren intensiv erforscht und es gibt dort bereits Richtlinien für FF.
- Das Lebensmittel soll die Ernährung und die Gesundheit verbessern.
- Diese Verbesserung muß eine solide wissenschaftliche Basis haben.
- Die angemessene tägliche Zufuhr des Lebensmittels oder Inhaltsstoffes muß durch Experten aus dem Bereich der Medizin und Ernährung außer Zweifel stehen.
- Das Lebensmittel oder der Inhaltsstoff soll im Hinblick auf eine ausgewogene Ernährung sicher sein.
- Der Inhaltsstoff soll charakterisiert werden durch
- seine chemisch-physikalische Eigenschaften; detaillierte analytische Methoden zu seiner Charakterisierung sollen vorhanden sein.
- seine quantitative und qualitative Bestimmung im Lebensmittel
- Der Inhaltsstoff soll den Brennwert des Lebensmittels senken.
- Das Lebensmittel muß auf normale Art konsumiert werden können.
- Das Lebensmittel soll nicht in Form von Tabletten, Kapseln oder Pulver vorliegen.
- Der Inhaltsstoff soll eine natürliche Verbindung sein.
Zielsetzung der Regelung ist die Zulassung von sogenannten Health Claims. Ragotzky nannte als Beispiel für herkömmliche und zukünftige Produkte, die als funktionelle Lebensmittel (FF) zu bewerten sind:
- Fette auf Basis eines hohen Gehaltes an Omega-6-Fettsäuren, z.B Diät-Margarine (Blutcholesterinsenkung).
- Fette auf Basis mittelkettiger Triglyceride (Fettresorptionsstörungen)
- Probiotische Lebensmittel (Beeinflussung der Darmflora)
- Produkte mit Süßstoffen bzw. Zuckeraustauschstoffen (Diabetes Mellitus)
Um diätetische Lebensmittel dürfte es sich in aller Regel nicht handeln, da diese Produkte häufig für weite unbestimmte Verbrauchergruppen bestimmt sind. Für die rechtliche Einordnung in der EU sah er 3 Möglichkeiten.
- Alle FF werden - mit Ausnahme diätetischer Lebensmittel - als Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs eingeordnet.
- Alle FF werden als Lebensmittel für besondere Ernährung angesehen und damit als Untergruppe der Diätrahmenrichtlinie.
- Es erfolgt keine konkrete Einstufung sondern - in Übereinstimmung mit dem Codex Alimentarus - nur eine Regelung über die zulässigen "Health and Nutrition Claims", so daß die Eingruppierung zu den diätetischen Lebensmitteln oder denen des allgemeinen Verzehrs den üblichen Beurteilungskriterien überlassen bleibt.
Für die Zukunft sah er vielfältige Möglichkeiten für FF wie
- Nahrungsfette mit hohen Gehalten an Omega-3-Fettsäuren (aus Fischölen, Leinöl, Neuzüchtungen, z.B. auf Raps-Basis) zur besonderen Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen und erhöhten Serumtriglyceriden und Multipler Sklerose,
- Nahrungsfette mit Anreicherung von Phytosterinen (zur Senkung erhöhter Blutcholesterinwerte),
- Milchprodukte und Nahrungsfette mit Anreicherung konjugierter Linolensäure zur Senkung erhöhter Blutcholesterinwerte und zur Senkung des Risikos kanzerogener Erkrankungen,
- Gemüse und Obst mit erhöhten Gehalten an sekundären Pflanzenstoffen zur Steigerung der körperlichen Abwehrkräfte durch Neuzüchtungen unter Einsatz gentechnischer Verfahren und
- mit Inulin angereicherte Produkte zur Erzielung prebiotischer Effekte (positive Beeinflussung der Darmflora und Wirkung gegen Obstipation).
Ragotzky hielt es aber nicht für zweckmäßig, jeden Nährstoff in jedes Lebensmittel einzubringen, und diesen insbesondere nicht in solche, die nicht regelmäßig in üblicher Menge verzehrt werden. Zudem sollen z.B. Vitamine über die jeweiligen Träger verzehrt werden, z.B. A, D und E in Fetten, B und C in Früchten, Gemüse und dergleichen. Essentielle Fettsäuren wie die konjungierte Linolsäure (CLA) sind z.B. in geringer Menge in Milch enthalten, es ist jedoch höchst bedenklich, mit hochdosierten Präparaten auf den Markt zu gehen, bevor die nötigen Prüfungen einer gesundheitlichen Unbedenklichkeit durchgeführt sind.
|