Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
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Homocystein Risikofaktor für verstopfte Gefäße

Die Aminosäure Homocystein wird seit einiger Zeit als ein weiterer Risikofaktor für die Verstopfung der Arterien und die Folgekrankheiten Angina pectoris, Herzinfarkt und Schlaganfall angesehen. Erstmals auf den Zusammenhang aufmerksam wurde man bereits 1962, als man die Stoffwechselkrankheit Homocysteinurie entdeckte.

Noch ist nicht bekannt , ab welcher Homocysteinkonzentration ein signifikant erhöhtes Risiko für arteriosklerotische Gefäßveränderungen besteht. Man geht heute davon aus, daß das Risiko ab einem Homocysteinwert von 10 bis 15 Mikromol pro Liter Blut ansteigt. Normalerweise findet man praktisch kein Homocystein im Blut oder Plasma, sondern nur in den Räumen zwischen den Zellen.

Homocystein kommt in der menschlichen Nahrung nicht vor. Es ist ein normales Stoffwechselprodukt der Aminosäure Methionin. Der Verzicht auf liebgewordene Essensgewohnheiten hätte deshalb auf die Homocysteinkonzentration im Blut keinen Einfluß!

Homocystein wird auf zwei Hauptwegen abgebaut. Der eine Weg führt wieder über die Aminosäure Methionin. Dazu werden das Vitamin B12, als Kofaktor der Homocystein-Methyl-Transferase, und das B-Vitamin Folsäure gebraucht. Mit Hilfe von B-Vitamin B6 kann Homocystein daneben auch in Cystin umgewandelt werden. Es hat sich gezeigt, daß eine reiche Versorgung mit diesen Vitamin B-Vitaminen den Homocysteinspiegel im Blut senken kann. Vitamin B6 allein scheint dabei praktisch keinen Einfluß zu haben. Vom Vitamin B12 müßte man sehr große Mengen einnehmen, etwa die 133fache normale Tagesmenge, um einen Effekt zu sehen. Die Folsäure senkt den Homocysteinwert am effektivsten. Bereits ab 0,4 Milligramm pro Tag sieht man einen Erfolg.

Die Folsäure wird im Dünndarm des Menschen von Darmbakterien synthetisiert. Daneben nehmen wir auch einen Teil mit der Nahrung auf. Vor allem grünes Blattgemüse, Leguminosen und Orangensaft enthalten Folsäure. Die der allgemeinen Bevölkerung empfohlene Menge Folsäure von 0,18 Milligramm pro Tag reicht aber nicht aus. Schwangeren und schon Frauen, welche eine Schwangerschaft planen, wird heute empfohlen, möglichst früh mit der Einnahme von 0,4 bis 0,8 Milligramm Folsäure pro Tag zu beginnen. Dies ist bei den heutigen Eßgewohnheiten praktisch nur mit Vitaminpräperaten möglich, da man sehr viel Blattgemüse essen müßte, um den Tagesbedarf zu decken.

Eine allgemeine Empfehlung an die ganze Bevölkerung, mehr Folsäure zu sich zu nehmen, wurde bisher nicht herausgegeben. Große Mengen von Folsäure sind an sich nicht schädlich.

In den USA wird seit dem 1. Januar 1998 sämtliches Mehl mit 0,14 Milligramm Folsäure pro 100 Gramm Körner angereichert. Dadurch erhält der Durchschittsamerikaner laut der Food and Drug Agency (FDA) zusätzlich 0,1 Milligramm des B-Vitamins Folsäure pro Tag. Mit dieser Maßnahme will man verhindern, daß Babies mit Neuralrohrdefekten wie dem offenen Rücken geboren werden. Die Supplementierung mit Folsäure wäre auch eine nebenwirkungsfreie, billige und wirksame Maßnahme zur Vermeidung der Arteriosklerose. Der einzig bekannte Nachteil einer großen Menge an Folsäure ist, daß dadurch ein Vitamin-B 12-Mangel, der häufig bei alten Menschen auftritt, maskiert wird.

Quelle : B. Kunz in Neue Zürcher Zeitung vom 15.10. 97 S.41, Nr. 239, Lancet 350, 1666-1669 (1997)


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