Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
im öffentlichen Dienst e.V. (BLC)
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Grapefruitsaft und Medikamente

Interaktionen von Medikamenten untereinander und mit Substanzen in der Nahrung sind interessant, da sie die Wirkung der Medikamente positiv oder negativ beeinflussen können. So ist zum Beispiel seit langem bekannt daß alles Eisen im Spinat nichts nützt, wenn man den Spinat nicht mit einem Vitamin-C-reichen Getränk oder Nahrungsmittel zu sich nimmt. Vitamin C bewirkt, daß das Eisen tatsächlich vom Körper aufgenommen werden kann. Vitamin A hingegen muß man mit Fett einnehmen, da es sonst nicht richtig gelöst wird. Seit faßt zehn Jahren weiß man auch, daß verschiedene Medikamente wie faßt alle den Blutdruck senkenden Calciumblocker, einige Immunsuppressiva, Beruhigungsmittel und die neuen, bei Aids verwendeten Proteasehemmer wesentlich besser aufgenommen werden, wenn man sie mit einem Glas Grapefruitsaft zu sich nimmt. Diesen Grapefruitsafteffekt entdeckte man zufällig, als man den unangenehmen Geschmack von Medikamenten in einer Studie verdecken wollte. Damals war jedoch nicht bekannt, warum Grapefruitsaft die Konzentration der aufgenommenen Medikamente vergrößert.

In einer Fachzeitschrift wird nun berichtet, Grapefruitsaft oder besser gesagt eine der im Grapefruitsaft enthaltenen Substanzen, verringere die Konzentration eines Enzyms, das diese Medikamente im Körper abbaut. Normalerweise besitzen Menschen ganz verschiedene Mengen dieses CYP3A4 genannten Dünndarmenzyms. Deshalb wirkt zum Beispiel nicht bei allen Menschen dieselbe Dosis eines Blutdrucksenkers optimal. Ein Glas Grapefruitsaft bewirkt nun, daß alle Menschen dieselbe Konzentration dieses Enzyms haben und daß deshalb bei allen Menschen dieselbe Dosis des Medikaments optimal wirkt. Mit Grapefruitsaft kommt es also nicht mehr vor, daß eine bestimmte Dosis eines Medikaments bei einem Patienten gut wirkt, für einen anderen aber tödlich ist. Könnte man deshalb die aktive Substanz im Grapefruitsaft den Medikamenten beimischen, hätte man sichere und in kleiner Dosis optimal wirksame Medikamente für alle. Unter Umständen werden damit auch unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten verringert. Man versucht deshalb nun, die aktive Substanz im Grapefruitsaft zu finden.

Soll man nun seine Medikamente mit Grapefruitsaft hinunterschlucken? Mit Hilfe des Arztes, welcher die Medikamente verschrieben hat, kann man aber versuchen, eine kleinere Dosis der Medikamente zusammen mit Grapefruitsaft einzunehmen und damit womöglich Nebenwirkungen senken helfen. Auf eigene Faust sollte man dies aber besser nicht versuchen, das kann gefährlich sein.

Quelle : Journal of Clinical Investigation 99, 2545-2553 (1997)


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