BuchbesprechungenMarcus Brian, Essen auf Rezept - wie Functional Food unsere Ernährung verändert, 174 Seiten, S. Hirzel-Verlag Stuttgart Leipzig 2000, ISBN 3-7776-0977-3, DM 38,00"Gutes Essen ist wichtig, aber nicht alles. Nicht rauchen, ausreichend Obst und Gemüse essen, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und nicht so griesgrämig sein, das ist wirksamer und billiger als jede Rotweintablette, Unmengen aufgepeppter Fruchtsäfte und löffelweise Tofu-Joghurt..." Zu diesem Fazit kommt Wissenschaftsjournalist Marcus Brian (Chemie, Biochemie und Toxikologie) nach einer kritischen Betrachtung der immer höher schwappenden Welle von neuartigen Lebensmitteln, die unsere Gesundheit verbessern und uns vor allen erdenklichen Krankheiten bewahren sollen. Das engagiert geschriebene und spannend zu lesende Buch gibt einen Überblick über höchst interessante Entwicklungen auf dem Gebiet der Functional Food. Es ist nicht streng wissenschaftlich, aber kritisch, wenn auch nicht stets "neutral" und entzaubert Wellness-Produkte mit wundersamer Wirkung mit einem ganz schlichten Beispiel: "Diwasserstoffoxid spielt eine wichtige Rolle in vielen biochemischen Prozessen unseres Stoffwechsels. Es ist essentieller Baustein unseres Körpers und muß mit der Nahrung zugeführt werden. Besonders unter starker körperlicher Belastung sind häufig Mangelsymptome zu beobachten...." Er sollte sich diese Idee schleunigst patentieren lassen, sonst bringt schon bald ein findiger Marketingmensch seine Diwasserstoffoxidkapseln zur Nahrungsergänzung auf den Markt. Die Vitaminisierung von Lebensmitteln wird ebenso kritisch unter die Lupe genommen wie Pro- und Prebiotika, Sportlernahrungen, Szenegetränke, Omega-3-Fettsäuren ("wieso Fisch aus nur 2 Fettsäuren bestehen soll und was der Fisch plötzlich im Brot macht") und nicht zuletzt gentechnisch veränderte Lebensmittel sowie die hoffnungsträchtigen SPS. Es ist zu spüren - und dies ist wohl auch beabsichtigt - , daß der Autor nicht unbedingt ein Freund dieser Produkte ist, doch sind seine teils sarkastischen, oft auch amüsanten Kommentare nicht einseitig, sie regen zum Nachdenken an, stutzen manchem Energy-Drink die Flügel und stellen den Kontakt zur Erde wieder her. Die Lektüre dieses hochinteressanten Buches ist nicht nur Fachleuten, die sich beruflich mit diesem Bereich der besonderen Ernährung beschäftigen, zu empfehlen, sondern auch jedem Konsumenten, der dabei lernen kann, die richtigen Fragen zu stellen. H. Streit, Wackernheim Bergmann, Karin: Industriell gefertigte Lebensmittel - Hoher Wert und schlechtes Image? Berlin, Heidelberg, New York, Springer-Verlag, 1999, 160 S., 9 Abb. u. 28 Tab. ISBN 3-540-62796-0, DM 49,90 Der 2. Band einer neuen, von der Dr. Rainer Wild-Stiftung herausgegebenen Schriftenreihe ist bemerkenswert und gilt dem vermeintlichen "Gegensatz von industriell gefertigten Lebensmitteln und gesunder Ernährung". Die zu prüfende Ausgangsthese lautet: "Noch nie waren die Lebensmittel so gut, aber noch nie war ihr Image so schlecht." Die sogenannte Verunsicherung der Verbraucher ist verschiedenartig zu erklären, u.a. als Ausdruck mangelnden Wissens von den Lebensmitteln, v.a. von deren Verarbeitung. Die Gründe für das vorhandene Negativimage kommerzieller Lebensmittel werden eingehend erläutert. Laut Befragungsergebnissen über vermutete Gesundheitsbeeinträchtigungen durch die Umwelt, einschließlich der Lebensmittel, äußert etwa die Hälfte der Befragten Bedenken gegenüber dem Gesundheitswert. Neben Ängsten vor landwirtschaftlich bedingten Rückständen herrscht bei verarbeiteten Lebensmitteln Mißtrauen gegenüber Zusatzstoffen vor. Der heutige Konsument pendelt häufig zwischen Extremen hin und her. Aus dem "in Art und Ausmaß in der Geschichte der Ernährung einzigartigen Angebot auf dem Lebensmittelmarkt" folgen als Auswahlkriterien z.B. Erlebnisorientierung, Gesundheitsbewußtsein oder Sorglosigkeit. Über Untersuchungen der Verbraucherverunsicherung, über Gründe für, Kenntnis und Praktizierung von alternativen Kostformen wird berichtet; die erweiterten Qualitätskriterien von Lebensmitteln werden beschrieben und die Art, der Einfluß sowie die grundsätzlichen Schwierigkeiten der Medien bei Vermittlung von Kenntnissen über Lebensmittel und Ernährungsweise erörtert - auch Bedeutung und Folgen der Lebensmittelskandale. Das Kapitel "Kennzeichen einer gesunden Ernährung" informiert über verschiedene Kostformen, die "10 Regeln" und Empfehlungen der DGE (Stand: 1996), über Wirkungen sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe sowie Schadstoffe und zeigt die "Ernährung der Bevölkerung im Soll- und Istzustand" (Graphik 1992). "Der Beitrag industriell gefertigter Lebensmittel zur gesunden Ernährung" führt von der Geschichte, über Ziele, aktuelle Angebote, Qualitätssicherung mit HACCP-Konzept, Kennzeichnung, auch gesundheitliche Notwendigkeit der Verarbeitung zum Verhindern von Lebensmittelvergiftungen und -verderb sowie zum Entfernen unerwünschter, nativer Stoffe, bis hin zu den (bis 1998 bekannten) Lebensmitteln mit gesundheitlichem Zusatznutzen. Unter "Nährstoffschonung durch Technologie" werden an Milch und Parboiling-Reis die Möglichkeiten gezeigt, Vitaminverluste zu vermindern. "Industriell gefertigte Lebensmittel und gesunde Ernährung: Ein Widerspruch?" Hier als Argumente die Nitrosaminbildung oder Pseudoallergien durch einige Zusatzstoffe. Obwohl Anfang 1980 ca. 20 %, nach 15 Jahren ca. 58 % der Bevölkerung Gesundheitsgefährdungen durch solche Lebensmittel fürchteten, werden diese dennoch von über 70 % gekauft. Der Schlußbericht über die 10 Referate eingeladener Fachleute zum "3. Heidelberger Ernährungsforum" schildert konkret Gründe für die Verunsicherung über das Lebensmittelangebot und hebt Kommunikationsprobleme zwischen Ernährungsindustrie und Verbraucherschaft hervor. Dazu nur der ernüchternde Satz: "Ein allgemeines Interesse an reinen Sachinformationen besteht aus journalistischer Sicht kaum." Gerade deshalb ist dieses sehr informative, leicht lesbare Buch für Lebensmittelchemiker, -technologen und -techniker zu wirkungsvoller Aufklärung über Lebensmittel und für Ernährungsberater, wie Ökotrophologen, Diätassistenten und Mediziner sowie für alle in der Lebensmittelindustrie mit Öffentlichkeitsarbeit beschäftigte Mitarbeiter sehr zu empfehlen. Denn schon anhand der anschaulichen Graphiken und zahlreichen Tabellen ist schnell Wichtigstes über Denken und Kaufverhalten von Verbrauchern zu erfahren, die man ja künftig erfolgreicher über industriell gefertigte Lebensmittel informieren möchte. Das Literaturverzeichnis ist umfangreich und das lehrreiche Glossar für Beratung der Laien sehr hilfreich. W. Sturm Ludewig Reinhard: Akute Vergiftungen, Ratgeber zur Erkennung, Verlauf, Behandlung und Verhütung toxikologischer Notfälle, 847 Seiten, 9. Auflage Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 1999, ISBN 3-8047-1701-2, DM 128,-- Was geschieht, wenn der Wiesenchampignon tatsächlich Knollenblätterpilz war? Wie giftig sind Pestizide und welche Symptome lösen sie aus? Wie sind Geschirrspülmittel toxikologisch zu bewerten? Mit welchen Gefahren ist bei Aufnahme von Möbelpolituren zu rechnen, und wie kann man Früchte und Samen schnell erkennen und einschätzen? Für all diese Fragen gibt es Antworten in dem klassischen Ratgeber von Ludewig und Mitarbeitern aus Medizin, Pharmazie, Pharmakologie und Chemie und natürlich eine Vielzahl weiterer Informationen über andere Stoffgruppen wie Antidepressiva, Beta-Rezeptoren-blocker, Fensterreinigungs-, Holzschutz- und Pflanzenschutzmittel, Mutterkornalkaloide, Pyrotechnika, Sedativa, Ulcusmittel und Zytostatika, um nur eine Auswahl aus dem speziellen Teil zu nennen. Die völlig überarbeitete 9. Auflage enthält im speziellen alphabetisch geordneten Teil Daten zu über 70.000 Stoffen sowie Hinweise zu weiterführender Literatur und ein umfangreiches Sachregister mit über 13.500 Stichwörtern. Neu aufgenommen sind toxikologisch wenig bekannte Stoffgruppen wie Radionuklide, Dopingmittel und neuere Chemotherapeutika. Im allgemeinen Teil wird über Möglichkeiten und Grenzen des Erkenntnisgewinns in der klinischen Toxikolgie informiert, über Epidemiologie, juristische Aspekte, allgemeine Maßnahmen, Differenzialdiagnose und Leitsymptome bei Vergiftungen, aber auch über Therapie sowie Ursachen und Verhütung akuter Intoxikationen. Dieser Ratgeber kann nicht nur dem Mediziner und Pharmazeuten, sondern auch dem Lebensmittelchemiker in Überwachung, privatem Labor und Forschung eine wertvolle Hilfe sein. H. Streit, Wackernheim |