Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
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Lebensmittel- und Trinkwasseranalytik im Rahmen von Auslandseinsätzen der Bundeswehr

Oberstabsapotheker Derek Gutzeit, Zentrales Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München, Leiter : Oberstapotheker Klaus Schad

Einleitung

Der Auftrag der Bundeswehr hat sich seit der Wiedervereinigung deutlich gewandelt. Das hatte Auswirkungen auf die Struktur und die Aufgaben des Sanitätsdienstes.
Seit dem Auslandseinsatz 1992 der Bundeswehr in Kambodscha sind die Feldlagerhygiene und die Sicherstellung einer qualitativ ausgewogenen und gesundheitlich unbedenklichen Verpflegung der deutschen Soldaten im Einsatz zu einem zentralen Thema geworden. Die ersten Konzepte zur vor Ort Untersuchung und Beurteilung von Lebensmitteln und Trinkwasser wurden bereits 1993 in Somalia umgesetzt. In der Zeit bis 1997 wurde ein mobiles Feldlabor entwickelt, dessen analytische "High-Tech"-Ausstattung es ermöglicht, toxikologisch und ökologisch relevante Schadstoffe in Lebensmitteln, Trinkwasser und ökochemischen Proben zu bestimmen.
Seit dem Beginn der Kosovomission im Juni 1999 und des Afghanistaneinsatzes 2002 wird der Laborcontainer Lebensmittelchemie/Ökochemie zur Untersuchung des Trinkwassers, der Verpflegung und zur Durchführung ökochemischer Untersuchungen eingesetzt.

Auftrag und Zielsetzung

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr hat im Auslandseinsatz den Auftrag, eine sanitätsdienstliche Versorgung sicherzustellen, die im Ergebnis der gesundheitlichen Versorgung im Heimatland entspricht. Ziel für den Bereich der Lebensmittelversorgung ist somit die Gewährleistung einer qualitativ ausgewogenen und gesundheitlich unbedenklichen Verpflegung. Der Sanitätsoffizier Apotheker / Lebensmittelchemiker hat die Aufgabe die untersuchten Proben auf der Grundlage geltender Gesetze und Verordnungen zu beurteilen und Vorgesetzte zu beraten.
Jedoch stellt sich hier die Frage, welche rechtliche Grundlagen z.B. bei der Beurteilung eines Brunnenwassers in Afghanistan gelten, denn der räumliche Geltungsbereich der innerstaatlichen Rechtsordnung ist auf das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland beschränkt. Deshalb hat der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Ergänzung zu "der Fachlichen Leitlinie für die sanitätsdienstliche Versorgung von Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz" "die Sonderregelungen zur Durchführung der Lebensmittelüberwachung und Lebensmittelqualitätskontrolle im Auslandseinsatz der Bundeswehr" erlassen. In den Sonderregelungen ist festgelegt, dass die in deutschen Rechtsnormen verankerten, auf die Erhaltung der körperlichen Unversehrtheit abzielenden Schutz- und Sicherheitsbestimmungen auch im Ausland zugunsten der Soldaten grundsätzlich zu beachten sind. Einsatzbedingte Abweichungen sind nur dann zulässig, wenn eine Gefährdung der Gesundheit nicht zu erwarten ist.
Dadurch erhält der Sachverständige, angepasst an die Lage in dem entsprechenden Einsatzland, einen Spielraum in der Beurteilung von Lebensmitteln und Trinkwasser und ist dabei gefordert, die toxikologisch relevanten Parameter nach Art der Aufnahme, Dauer und Häufigkeit zu beurteilen.

Qualitätsmanagement und Akkreditierung

Bestätigung für qualitätsgerechtes Arbeiten im Laborcontainer Lebensmittelchemie / Ökochemie ist die durch die Staatliche Akkreditierungsstelle Hannover (AKS Hannover) verliehene Akkreditierung. Ungeachtet der militärischen Unterstellungsverhältnisse sind die Laborcontainer Lebensmittelchemie/Ökochemie deshalb im akkreditierten Bereich ihrer Aufgabenwahrnehmung als mobile Laboreinheiten des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München zu verstehen. Validierte Prüfverfahren sind integraler Bestandteil des analytischen Arbeitens. Zur Qualitätssicherung in den mobilen Feldlaboren werden jedes Jahr interne Laborvergleichsprüfungen durchgeführt. Jeweils bei Wechsel der Prüfleiter, auditiert der Nachfolger den Vorgänger. Voraussetzung für die Tätigkeit des SanOffz Apotheker / Lebensmittelchemiker als Sachverständiger bzw. für das technische Personal im Einsatz ist, dass auch im Inland im akkreditierten Bereich gearbeitet wird. Außerdem ist die Teilnahme an einem vierwöchigen Einweisungslehrgang notwendig. Der Lehrgang mit einem überwiegend praktischen Teil und einem Anteil theoretischer Grundlagen über moderne instrumentelle Analytik, schafft in komprimierter und übersichtlicher Form die Basis für den Umgang mit dem analytischen Gerätesatz.

Analytische Ausstattung

Zur Untersuchung von Lebensmitteln und Trinkwasser im Auslandseinsatz steht dem Einsatzpersonal eine umfangreiche analytische Ausstattung zur Verfügung. Mit dem Gaschromatographen mit massenselektiven Detektor (GC-MS) werden polychlorierte Biphenyle (PCB), Insektizide (z.B. DDT), Mineralölkohlenwasserstoffe und Chlorungsnebenprodukte wie Chloroform in Trinkwasser untersucht. Die Hochdruckflüssigchromatographie (HPLC) bietet mit einem UV-Detektor und einem Fluoreszenzdetektor die Möglichkeit Herbizide, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Rückstände sprengstofftypischer Verbindungen in Trinkwasser zu bestimmen. Der Schwerpunkt dieser chromatographischen Verfahren liegt in der Identifizierung persistenter organischer Umweltschadstoffe (z.B. PCB, PAK, chlorierte Pestizide) die aus toxikologischer Sicht ein globales Problem für Mensch und Umwelt darstellen. Schwermetalle wie Blei und Cadmium werden inversvoltammetrisch, Quecksilber mittels der Kaltdampf-Atomabsorptionsspektrometrie untersucht. Mykotoxine spielen insbesondere bei gelagertem Getreide und gelagerten Getreideerzeugnissen als unerwünschte Kontaminanten eine wichtige Rolle. Das ELISA Untersuchungssystem ermöglicht ein sehr schnelles Screening auf verschiedene Mykotoxine: Deoxynivalenol, Aflatoxine, Ochratoxine, T2-Toxin und Fumonisine. Sabotagegifte in Lebensmitteln wie z.B. chemische Kampfstoffe können sowohl gaschromatographisch als auch mittels Schnelltests des Kampfstoffuntersuchungskoffers bestimmt werden. Ein Bequerel-Monitor bietet darüber hinaus die Möglichkeit über die Messung der gamma-Aktivität eine Kontamination von Lebensmitteln und Trinkwasser mit Gammastrahlern frühzeitig zu erkennen.

Aufgabenspektrum

Schwerpunkt der Arbeit des SanOffz Apotheker / Lebensmittelchemiker im Auslandseinsatz ist die Trinkwasserbeprobung und -untersuchung im Bereich der deutschen Feldlager. Dabei wird besonders in den Sommermonaten durch eine engmaschige Beprobung sichergestellt, dass aufgrund der Lagerung von Trinkwasser bei hohen Temperaturen in Zisternen einer daraus resultierenden Erhöhung der Chlorungsnebenprodukte (Trihalogenmethane) unmittelbar entgegengewirkt werden kann. Ortsansässige Lebensmittelproduktionsbetriebe (z.B. Bäckereien), die die deutschen Soldaten versorgen, sind ebenso integraler Bestandteil des Beprobungsplans. Eine Vielzahl von Verdachtsproben aus dem Lebensmittelbereich sowie ökochemische Sonderuntersuchungen und Proben aus dem Gebiet der Drogenanalytik führen dazu, dass der lebensmittelchemische Untersuchungscontainer mit der vorhandenen Fachkompetenz des Einsatzpersonals ein unverzichtbarer Bestandteil bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr geworden ist.

Laborcontainer Laborcontainer Lebensmittelchemie / Ökochemie

Trinkwasserprobenahme Trinkwasserprobenahme unter Einsatzbedingungen


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