Lebensmittel- und Trinkwasseranalytik im Rahmen von Auslandseinsätzen der BundeswehrOberstabsapotheker Derek Gutzeit, Zentrales Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München, Leiter : Oberstapotheker Klaus Schad EinleitungDer Auftrag der Bundeswehr hat sich seit der Wiedervereinigung deutlich gewandelt. Das hatte Auswirkungen auf die Struktur und die Aufgaben des Sanitätsdienstes. Auftrag und ZielsetzungDer Sanitätsdienst der Bundeswehr hat im Auslandseinsatz den Auftrag, eine sanitätsdienstliche Versorgung sicherzustellen, die im Ergebnis der gesundheitlichen Versorgung im Heimatland entspricht. Ziel für den Bereich der Lebensmittelversorgung ist somit die Gewährleistung einer qualitativ ausgewogenen und gesundheitlich unbedenklichen Verpflegung. Der Sanitätsoffizier Apotheker / Lebensmittelchemiker hat die Aufgabe die untersuchten Proben auf der Grundlage geltender Gesetze und Verordnungen zu beurteilen und Vorgesetzte zu beraten. Qualitätsmanagement und AkkreditierungBestätigung für qualitätsgerechtes Arbeiten im Laborcontainer Lebensmittelchemie / Ökochemie ist die durch die Staatliche Akkreditierungsstelle Hannover (AKS Hannover) verliehene Akkreditierung. Ungeachtet der militärischen Unterstellungsverhältnisse sind die Laborcontainer Lebensmittelchemie/Ökochemie deshalb im akkreditierten Bereich ihrer Aufgabenwahrnehmung als mobile Laboreinheiten des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München zu verstehen. Validierte Prüfverfahren sind integraler Bestandteil des analytischen Arbeitens. Zur Qualitätssicherung in den mobilen Feldlaboren werden jedes Jahr interne Laborvergleichsprüfungen durchgeführt. Jeweils bei Wechsel der Prüfleiter, auditiert der Nachfolger den Vorgänger. Voraussetzung für die Tätigkeit des SanOffz Apotheker / Lebensmittelchemiker als Sachverständiger bzw. für das technische Personal im Einsatz ist, dass auch im Inland im akkreditierten Bereich gearbeitet wird. Außerdem ist die Teilnahme an einem vierwöchigen Einweisungslehrgang notwendig. Der Lehrgang mit einem überwiegend praktischen Teil und einem Anteil theoretischer Grundlagen über moderne instrumentelle Analytik, schafft in komprimierter und übersichtlicher Form die Basis für den Umgang mit dem analytischen Gerätesatz. Analytische AusstattungZur Untersuchung von Lebensmitteln und Trinkwasser im Auslandseinsatz steht dem Einsatzpersonal eine umfangreiche analytische Ausstattung zur Verfügung. Mit dem Gaschromatographen mit massenselektiven Detektor (GC-MS) werden polychlorierte Biphenyle (PCB), Insektizide (z.B. DDT), Mineralölkohlenwasserstoffe und Chlorungsnebenprodukte wie Chloroform in Trinkwasser untersucht. Die Hochdruckflüssigchromatographie (HPLC) bietet mit einem UV-Detektor und einem Fluoreszenzdetektor die Möglichkeit Herbizide, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Rückstände sprengstofftypischer Verbindungen in Trinkwasser zu bestimmen. Der Schwerpunkt dieser chromatographischen Verfahren liegt in der Identifizierung persistenter organischer Umweltschadstoffe (z.B. PCB, PAK, chlorierte Pestizide) die aus toxikologischer Sicht ein globales Problem für Mensch und Umwelt darstellen. Schwermetalle wie Blei und Cadmium werden inversvoltammetrisch, Quecksilber mittels der Kaltdampf-Atomabsorptionsspektrometrie untersucht. Mykotoxine spielen insbesondere bei gelagertem Getreide und gelagerten Getreideerzeugnissen als unerwünschte Kontaminanten eine wichtige Rolle. Das ELISA Untersuchungssystem ermöglicht ein sehr schnelles Screening auf verschiedene Mykotoxine: Deoxynivalenol, Aflatoxine, Ochratoxine, T2-Toxin und Fumonisine. Sabotagegifte in Lebensmitteln wie z.B. chemische Kampfstoffe können sowohl gaschromatographisch als auch mittels Schnelltests des Kampfstoffuntersuchungskoffers bestimmt werden. Ein Bequerel-Monitor bietet darüber hinaus die Möglichkeit über die Messung der gamma-Aktivität eine Kontamination von Lebensmitteln und Trinkwasser mit Gammastrahlern frühzeitig zu erkennen. AufgabenspektrumSchwerpunkt der Arbeit des SanOffz Apotheker / Lebensmittelchemiker im Auslandseinsatz ist die Trinkwasserbeprobung und -untersuchung im Bereich der deutschen Feldlager. Dabei wird besonders in den Sommermonaten durch eine engmaschige Beprobung sichergestellt, dass aufgrund der Lagerung von Trinkwasser bei hohen Temperaturen in Zisternen einer daraus resultierenden Erhöhung der Chlorungsnebenprodukte (Trihalogenmethane) unmittelbar entgegengewirkt werden kann. Ortsansässige Lebensmittelproduktionsbetriebe (z.B. Bäckereien), die die deutschen Soldaten versorgen, sind ebenso integraler Bestandteil des Beprobungsplans. Eine Vielzahl von Verdachtsproben aus dem Lebensmittelbereich sowie ökochemische Sonderuntersuchungen und Proben aus dem Gebiet der Drogenanalytik führen dazu, dass der lebensmittelchemische Untersuchungscontainer mit der vorhandenen Fachkompetenz des Einsatzpersonals ein unverzichtbarer Bestandteil bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr geworden ist.
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