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Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
im öffentlichen Dienst e.V. (BLC)
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Außendienst einmal anders:
Freiburger Lebensmittelchemiker Rainer Malisch als Dioxin-Sachverständiger in Brasilien
Als nationaler Experte hatte Rainer Malisch, Lebensmittelchemiker an der Chemischen Landesuntersuchungsanstalt Freiburg im Januar 1999 Gelegenheit, gemeinsam mit zwei EU-Inspektoren den Dioxinverunreinigungen in Futtermitteln auf die Spur zu kommen.
Eine Woche Außendienst in Brasilien, was bedeutet das?
Zunächst einmal keine Zeit, sich dem time-lag hinzugeben: Ankunft sonntag 10.01.11 Uhr in Brasilia, erste Vorbesprechung des Teams um 14 Uhr. , erste Vorbesprechung Montag um 8 Uhr in der Vertretung der EU. Arbeit von morgens um 8.00 bis teilweise nach Mitternacht. Besprechungen in englisch, portugiesisch und deutsch mit brasilianischen Regierungsvertretern, der EU-Vertretung, Firmen und Verbänden. Wegen der großen Entfernungen zwischen den zu besuchenden Firmen wurde als Verkehrsmittel eigens für die EU-Delegation ein Düsenflugzeug gechartert.Teilweise 3 Weiterflüge am Tag zu den nächsten Zielen. Abschlußbesprechung mit den braslianischen Regierungsvertretern am Freitag nachmittag mit Vorlage der Grundzüge des offiziellen Abschlußberichts. Ausformulierung des Abschlußberichts am Samstag, da nach Rückkehr der Delegation am Montag bereits der EU Kommission der erste Bericht vorgetragen werden mußte.
Verschlungene Wege einer Lebensmittelverunreinigung
Seit Herbst 1997 stiegen die Dioxingehalte in Milch, während sonst allenthalben eine Abnahme der Dioxinwerte beobachtet werden konnte. Die Umkehrung dieses Trends alarmierte Rainer Malisch und seine Mitarbeiter, welche in Baden-Württemberg zentral für die Dioxinuntersuchungen in Lebensmitteln verantwortlich sind. Dioxin in der Milch ließ sich über die Verunreinigung des Futtermittels erklären. Wie aber kommt das Futtermittel zum Dioxin? Ein Bestandteil des seit Jahrzehnten verwendeten Futtermittels ist Zitrustrester. Dieser fällt als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Orangensäften an. Nach dem Abpressen der Säfte werden die Schalen und Pulpe neutralisiert, getrocknet und zu Pellets gepreßt. Die Neutralisierung erfolgt mit Kalk. Dieser Kalk kann aus Kalkgesteinen gewonnen werden oder auch aus der chemischen Industrie stammen.
Recyclingware hat ihre Tücken
In Brasilien stellte sich heraus, daß in jüngster Zeit recyclierter Kalk aus der chemischen Industrie für die Neutralisierung der Zitrusschalen verwendet wurde. Und dieser Kalk war mit Dioxinen hoch belastet.
Wirtschaftliche Auswirkungen einer Lebensmittelbeanstandung
In Europa wurden allein ca. 100 000 t Zitrustrester vom Markt genommen. Schlimmer für die Zitrustrester-Branche war jedoch, daß der gesamte Markt mit einer Jahresproduktion von etwa 1,5 Millionen t Zitrustrester im Wert von etwa 100 - 150 Millionen US-Dollar zusammenbrach und vorübergehend auch die amerikanischen Produkte nicht mehr abgenommen wurden.
EU setzt Dioxin-Höchstmengen für Futtermittel
Die Untersuchungen im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg führten dazu, daß die EU eine vorläufige Höchstmenge von 500 pg I-TEQ/kg in Zitrustrester erließ, da nur so belastete Ware vom Markt ferngehalten werden konnte. Brasilien übernahm diese Höchstmenge und erließ zusätzlich noch eine Höchstmenge für den Dioxingehalt von Kalk.
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