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Was ist eigentlich Beikost? Säuglings- und Kleinkindernahrung: Welche Nährstoffe sind enthalten? Welche Angaben stehen auf der Verpackung?

Säuglingsnahrung im SupermarktBei Säuglings- und Kleinkindernahrung wird zwischen Säuglingsanfangsnahrung, Folgemilch, Beikost und Getreidebeikost unterschieden. Diese diätetischen Lebensmittel untergliedern sich in verschiedene Produktgruppen, die jeweils ab einer gewissen Altersstufe zur Ernährung der Säuglinge und Kleinkinder geeignet sind. Es gibt EU-weit einheitliche lebensmittelrechtliche Regelungen zu Begriffsbestimmungen, Anforderungen an die Zusammensetzung und besondere Kennzeichnung dieser Produkte, die in Deutschland in der Diätverordnung [1] umgesetzt sind. Ab Juli 2016 gilt in allen Mitgliedstaaten der EU die Verordnung (EU) Nr. 609/2013 [4]. Die darin enthaltenen Vorgaben für Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder entsprechen im Wesentlichen denen der Diätverordnung.

Laut Diätverordnung sind Säuglinge Kinder unter 12 Monaten. Säuglingsanfangsnahrung umfasst Lebensmittel, die für die besondere Ernährung von Säuglingen während der ersten vier Lebensmonate bestimmt sind und die Ernährungserfordernisse dieser Säuglinge bis zur Einführung angemessener Beikost erfüllen. Folgenahrung umfasst Lebensmittel, die zur Ernährung von Säuglingen im Alter von fünf bis unter zwölf Monaten ab Einführung einer angemessenen Beikost bestimmt sind. Beikost und Getreidebeikost dient der Ernährung gesunder Säuglinge (nach dem vierten Monat) und von Kleinkindern zwischen einem und drei Jahren. Beikost umfasst Lebensmittel außer Milch, die zur Ernährung von Säuglingen während der Entwöhnungsperiode und zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern während der allmählichen Umstellung auf normale Kost bestimmt sind. Getreidebeikost besteht aus Beikost und einfachen Getreideerzeugnissen, die z.B. mit Milch zubereitet werden [1].

Welche Nährstoffe sind enthalten?

Die besonderen Ernährungsanforderungen von Säuglingen und Kleinkindern sind sehr stark von dem Alter abhängig. Für die Zufuhr von Energie, Nährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen wird dabei unterteilt in Säuglinge im Alter von null bis vier Monaten, Säuglingen im Alter von fünf bis unter zwölf Monaten und Kleinkinder im Alter von ein bis vier Jahren. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass sich die Ernährungsanforderungen in diesem Lebensabschnitt deutlich wandeln. Die Säuglingsanfangsnahrung (null bis vier Monate) lehnt sich in ihrer Zusammensetzung sehr stark an Muttermilch an und wird verabreicht, wenn die Mutter nicht oder nicht ausreichend stillen kann. Folgenahrungen und Beikost, die ab dem fünften Lebensmonat gegeben werden, nähern sich in ihrer Zusammensetzung mehr und mehr den Ernährungsbedürfnissen der Kinder über drei Jahren an; sie sollen zur Vermeidung eines Eisenmangels auch Muttermilch ergänzen. Für das erste Lebensjahr werden als Besonderheiten ein erhöhter Eiweißbedarf pro Kilogramm Körpergewicht, ein erhöhter Bedarf an Omega-6-Fettsäuren (bei höherem Anteil an der Gesamtenergiezufuhr) und ein erhöhter Bedarf an Vitamin D genannt. Im Verlauf der ersten drei Lebensjahre ändert sich auch der empfohlene Anteil der energieliefernden Stoffe an der Gesamtenergiezufuhr; der Anteil der Fette sinkt von 45 bis 50 % auf 30 bis 35 %, während der Anteil der Kohlenhydrate von 40 % auf 50 bis 55 % steigt. Der Anteil der Proteine an der Gesamtenergiezufuhr nimmt vor allem im ersten Lebensjahr etwas ab, der empfohlene Bereich ist jedoch ziemlich weit gefasst. Die empfohlene absolute Zufuhr an Vitaminen (Ausnahme Vitamin D), Mineralstoffen und Spurenelemente steigt mit zunehmendem Alter entsprechend dem wachsenden Körpergewicht kontinuierlich an.

In den Anlagen der Diätverordnung sind spezifische Regelungen (z. B. für Säuglingsmilchnahrung und Folgemilch) zu Brennwert, Gehalt an Proteinen, Kohlenhydraten, Fett sowie essentiellen Fettsäuren, Vitaminen und Spurenelementen vorgeschrieben. Die Lebensmittelchemiker/-innen der amtlichen Lebensmitteluntersuchung kontrollieren die Einhaltung der Mindest- und Höchstgehalte dieser Nährstoffe nach den Vorschriften der Diätverordnung.

Für Getreidebeikost und andere Beikost als Getreidebeikost gelten ebenso spezifische Anforderungen an die Zusammensetzung, welche analytisch kontrolliert werden. So sind beispielsweise für Beikost Höchstgehalte für Fett und Natrium festgesetzt. Bei Frucht- und Gemüsesaft für Kleinkinder ist ein Mindestgehalt an Vitamin C vorgeschrieben [1].

Darüber hinaus werden Beikostprodukte auf Rückstände (z. B. Pflanzenschutzmittel und Nitrat) und Kontaminanten (z. B. Schwermetalle und Mykotoxine) untersucht. Es gilt ein maximaler Rückstandsgehalt an Pflanzenschutzmitteln von 0,01 mg/ kg; für einige Wirkstoffe liegt der Höchstgehalt noch tiefer. Ferner gelten für Nitrat und diverse Mykotoxine Höchstgehalte gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 [2]. Die Überprüfung der Einhaltung dieser Höchstgehalte erfordert wissenschaftlichen Sachverstand und moderne (und damit kostspielige) instrumentelle Analytik.  Lebensmittelchemiker/-innen der amtlichen Laboratorien stehen dafür, dass die hohen Erwartungen an Untersuchung und lebensmittelrechtliche Beurteilung auch bei Säuglings- und Kleinkindernahrung erfüllt werden.

Allen Produkten der Säuglings- und Kleinkindernahrung ist gemeinsam: die Verpackungen enthalten eine Vielzahl an vorgeschriebenen Verbraucherinformationen.

Welche Angaben müssen auf dem Etikett erscheinen?

SäuglingsnahrungDie geltende Lebensmittelinformationsverordnung (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011) schreibt allgemeine obligatorische Kennzeichnungsparameter wie Zutatenverzeichnis, Herstellerangabe, Mindesthaltbarkeitsdatum, Allergenkennzeichnung, Nennfüllmenge, die Mengenanteile wertbestimmender Zutaten und Nährwertkennzeichnungstabelle vor [5]. Darüber hinaus müssen produktspezifische Kennzeichnungselemente nach der Diätverordnung angegeben werden. So sind folgende Verkehrsbezeichnungen in der Diätverordnung festgelegt: "Säuglingsanfangsnahrung", "Säuglingsmilchnahrung" (wenn der Proteingehalt ausschließlich aus Kuhmilchprotein besteht), "Folgenahrung", "Folgemilch" (wenn der Proteingehalt ausschließlich aus Kuhmilchprotein besteht). Ebenso sind eine Anleitung zur richtigen Zubereitung, Entsorgung und Lagerung der Säuglingsanfangs- und Folgenahrung vorgeschrieben sowie eine Warnung vor den möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen einer unangemessenen Zubereitung und Lagerung. Außerdem muss die stoffliche Zusammensetzung mit Angaben zu Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett einschließlich aller in den Anlagen aufgeführten Vitaminen und Mineralstoffen angegeben sein [1, 3].

Bei Säuglingsanfangsnahrung ist außerdem ein als "wichtig" bezeichneter Hinweis auf die Überlegenheit des Stillens erforderlich. In diesem Sinne kann ein Hinweis lauten: "Stillen ist die beste Ernährung für ihr Baby." Angaben, die vom Stillen abhalten, und Abbildungen von Säuglingen auf den Verpackungen sind nicht erlaubt. Jegliche Art der Werbung, die die Verwendung von Flaschennahrung dadurch fördert, dass diese als der Muttermilch gleichwertig oder gar überlegen dargestellt wird, ist verboten [1, 3].

Für Getreidebeikost und andere Beikost als Getreidebeikost sind keine rechtsverbindlichen Verkehrsbezeichnungen festgelegt. Der ernährungsphysiologische Zweck dieser diätetischen Lebensmittel ergibt sich aus der Zusammensetzung des Lebensmittels und der vorgeschriebenen Altersangabe. Bei Beikost ist die jeweilige Altersangabe, ab der das Erzeugnis gefüttert werden darf, erforderlich. Beikost für Säuglinge im Alter von vier bis fünf Monaten darf darüber hinaus nur in den Verkehr gebracht werden, wenn die Angabe glutenhaltig bzw. glutenfrei deklariert ist. Dieser Hinweis dient der Verwendung der Produkte im Rahmen der Ernährung von Säuglingen, die an Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) leiden. Darüber hinaus ist für jegliche Art von Beikost eine Beschreibung über die Zubereitung des Erzeugnisses und die Angabe einer Nährwertkennzeichnungstabelle u.a. mit Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett obligatorisch [1, 3].

Auch die Überprüfung der Kennzeichnungsvorschriften und der Abgleich der Analysedaten mit den lebensmittelrechtlichen Vorschriften und den Nährwertangaben auf dem Etikett obliegt den lebensmittelchemischen Sachverständigen der Untersuchungsämter. In den Jahren 2013 und 2014 wurden im Landesamt für Lebensmittelsicherheit, Landwirtschaft und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern (LALLF-MV) insgesamt 85 Proben Säuglings- und Kleinkindernahrung untersucht. Es traten in 22 % der Fälle Kennzeichnungsmängel insbesondere auf Grund unzulässiger gesundheitsbezogener Angaben auf.

Fazit:

Die Analyse und Kennzeichnungsprüfung sind bei Säuglings- und Kleinkindernahrung von herausragender Relevanz, da Säuglinge und Kleinkinder eine sehr sensible Verbrauchergruppe darstellen. Nicht ohne Grund wurden für deren Schutz mit der Diätverordnung sehr differenzierte und konkrete Festlegungen getroffen. Es ist die Aufgabe der Lebensmittelchemiker/-innen der amtlichen Laboratorien, durch effiziente Untersuchungen das hohe Niveau des Verbraucherschutzes für diese Verbrauchergruppe aufrecht zu halten. Eine ausreichende personelle und apparative Ausstattung der Lebensmitteluntersuchungsämter der Bundesländer sind Bedingung für eine hinreichend-umfassende Untersuchungstiefe bei der Analyse der Säuglings- und Kleinkindernahrung und eine gut funktionierende Lebensmittelüberwachung.

Damit der Verbraucherschutz in Deutschland weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt, wehrt sich der BLC gegen Einsparungen am falschen Ende und fordert die Bereitstellung ausreichender personeller und apparativer Ausstattung der Fachexperten. Lebensmittelchemiker/-innen tragen in besonderem Maße dazu bei, dass die rechtlichen Vorschriften eingehalten werden und Verbraucher die notwendigen Informationen erhalten.

Lebensmittelchemiker/-innen in Lebensmitteluntersuchung und -überwachung sind:

  • Experten in Sachen Lebensmittel, einschließlich Wein sowie für Kosmetika und Bedarfsgegenstände, Lebensmittelrecht und -analytik
  • kompetente Berater der Verwaltung, der Politik und der Verbraucher


Literatur/ Rechtsgrundlagen:

  1. Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung) in der Fassung der Bekanntmachung vom 28. April 2005 (BGBl. I S. 1161), zuletzt geändert durch Art. 1 der Verordnung vom 25. 2. 2014 (BGBl. I S. 218)
  2. Verordnung (EG) Nr. 1881/2006  vom 19. Dezember 2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln
  3. Taschenbuch für Lebensmittelchemiker, W. Frede, Springer, 2. Aufl. 2006
  4. Verordnung (EU) Nr. 609/2013 vom 12. Juni 2013 über Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder, Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke und Tagesrationen für gewichtskontrollierende Ernährung [i.A. geltend ab 20. Juli 2016]
  5. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel

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