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Verderblicher Fisch, frische Kräuter und teure Gewürze aus Übersee – wer kontrolliert die Einfuhr?

Red SnapperLeicht verderbliche Lebensmittel aus Übersee kommen mit dem Flugzeug. Der Flughafen Frankfurt am Main ist eine der größten Einfuhrstellen für frischen Fisch aus Drittländern. Auch große Mengen pflanzlicher Lebensmittel kommen auf diesem Weg nach Deutschland.

Am Flughafen in Frankfurt am Main gehen jeden Tag Sendungen aus aller Welt ein, die kontrolliert werden müssen. Neben tierischen Lebensmitteln kommen auch pflanzliche Lebensmittel, wie Nahrungsergänzungsmittel und Sportlernahrung, kosmetische Mittel und Bedarfsgegenstände an. Für alle diese Produkte aus Drittländern ist der Frankfurter Flughafen eine Außengrenze der EU. Die erforderlichen Einfuhrkontrollen führt das Personal des Landesbetriebes Hessischen Landeslabors als beauftragte Stelle  der amtlichen Lebensmittelüberwachung durch. Dazu werden die Dokumente der Sendungen geprüft und Stichproben entnommen. Bei bestimmten Warenarten werden die EU-weit vorgeschriebenen Proben zur Untersuchung auf bekannte Risiken (z.B. Aflatoxine, Pestizide, Salmonellen) entnommen. Gleichzeitig sind die Importeure, wie alle Lebensmittelunternehmer, verpflichtet Eigenkontrollen durchzuführen.

CurryblätterWaren es früher überwiegend die Ein-, Aus- und Durchfuhren von lebenden Haus-, Zoo und Nutztieren, die auf Einhaltung der tierschutzrechtlichen Bestimmungen, z. B. auf ihren Impfschutz oder Tierseuchen kontrolliert werden mussten (daher auch der Name „tierärztliche Grenzkontrollstelle“), haben heute Lebensmittel einen immer größeren Stellenwert erlangt. Die EU spricht in diesem Zusammenhang auch von Grenzkontrollstelle (Border inspection post). So hat sich neben der „Tierstation“ seit 1995 das „Perishable Center“ (PCF) etabliert. Es ist ein Umschlagsort für alle leicht verderblichen Lebensmittel tierischer und pflanzlicher Herkunft, pharmazeutische Produkte und Blumen, die per Luftfracht am Frankfurter Flughafen ankommen. Die kühlpflichtigen Lebensmittel werden bis zur Verzollung und Abholung durch die Importeure in den Kühlräumen des PCF zwischengelagert.

Probenahme an der GrenzkontrollstelleDie Kontrollstelle ist seit dem Jahr 2005 eine Abteilung des Landesbetriebes Hessisches Landeslabor. Stand lange Zeit in der EU vor allem die Kontrolle tierischer Lebensmittel im Vordergrund, so werden mit den EG-Verordnungen Nr. 882/2004 und Nr. 669/2009 verstärkt auch nichttierische Lebensmittel in die Kontrollen („Border checks“) einbezogen. Da ist es folgerichtig, dass neben Tierärzten und Tierärztinnen auch eine Lebensmittelchemikerin für die Kontrollen verantwortlich ist. Die Kontrollen, d.h. die sogenannte Abfertigung, erfolgt an sieben Tagen der Woche im Zweischichtbetrieb. Damit ist klar, dass für die lückenlosen Überprüfungen der pflanzlichen Lebensmittel der lebensmittelchemische Sachverstand nur unzureichend vertreten ist und dringend aufgestockt werden muss.

Unterstützt werden die wissenschaftlichen Experten bei den Kontrollen von geschultem technischen Kontrollpersonal. Neben der Überprüfung der Dokumente und der Inaugenscheinnahme  der Waren (Nämlichkeitskontrolle) gehört auch die gezielte Probenahme zu ihren Aufgaben. Dabei sind statistische Vorgaben zu beachten. Bei der weiteren Untersuchung im Landeslabor  prüfen Lebensmittelchemiker/-innen die Proben auf ihren Hygienestatus oder die Anwendung von Tierarzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln, Konservierungsmitteln und Zusatzstoffen, das Vorhandensein von Kontaminanten oder auf gentechnische Veränderungen. Fallen Sendungen mehrfach auf, müssen diese nach den einschlägigen Vorschriften angehalten und dürfen erst nach einem negativen Untersuchungsergebnis wieder freigegeben werden.

OkraschotenFür als besonders risikobehaftet erkannte Warenarten aus einzelnen Drittländern gelten spezielle Beschränkungen der EU, die zu überwachen sind. Aktuell betrifft dies die Einfuhr von Erdnüssen aus Indien und Ghana, Wassermelonenkernen aus Nigeria (Aflatoxingehalte) sowie Curryblätter und Okra aus Indien (Rückstände von Pflanzenschutzmitteln).

Außerdem können Importverbote wegen Verdachts auf Verstöße vorliegen oder Produkte wegen gesundheitsgefährdender Hygienemängel aufgefallen sein. So gilt z. B. ein Verbot der Einfuhr von Sprossen aus Ägypten nach der EHEC-Krise oder die Kontrolle der Einfuhr aller Lebensmittel aus Japan auf radioaktive Belastung nach der Fukushima-Katastrophe.

Werden Gesundheitsgefahren festgestellt, erfolgen auch Warnungen über das Europäische Schnellwarnsystem RASFF. Dies kann dann auch zu einer Grenzzurückweisung führen. Die Sendungen werden entweder zurückgeschickt oder am Einfuhrpunkt vernichtet. Häufigste Gründe sind die Anwendung verbotener Tierarznei- oder Pflanzenschutzmittel in Lebensmitteln oder über den zulässigen Höchstmengen liegende Gehalte dieser Stoffe.

LaborkontrollePro Monat werden an der Grenzkontrollstelle Frankfurt am Main über 700 t Fleisch, 1.000 t Fisch und 1.000 t pflanzliche Lebensmittel kontrolliert. Im Jahr sind es ca. 30.000 Warensendungen. Fleisch und Fisch wird überwiegend als gekühlte Frischware eingeführt. Bei den von den Importeuren als „Flugware“ bezeichneten pflanzlichen Lebensmitteln handelt es sich überwiegend um hochpreisiges, leicht verderbliches und zumeist exotisches Obst und Gemüsearten.

Fazit
Um den Schutz der Verbraucher vor die Gesundheit gefährdenden pflanzlichen Lebensmitteln aus Drittländern zu gewährleisten, sind an den Grenzkontrollstellen der EU ständige Kontrollen auf hohem wissenschaftlichem Niveau erforderlich. Am  Frankfurter Flughafen ist dafür eine Lebensmittelchemikerin im Einsatz. Ihr spezieller Sachverstand ist Garant dafür, dass riskante Lebensmittel aufgespürt und nicht vermarktet werden. In Anbetracht des großen Warenumschlags rund um die Uhr ist eine personelle Verstärkung durch weitere Lebensmittelchemiker/-innen erforderlich. Damit der Verbraucherschutz in Deutschland weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt, wehrt sich der BLC gegen Einsparungen am falschen Ende und fordert die Bereitstellung einer ausreichenden personellen und apparativen Ausstattung.

Lebensmittelchemiker/-innen in Lebensmitteluntersuchung und -überwachung sind:

  • Experten in Sachen Lebensmitteln, Kosmetika und Bedarfsgegenstände, Lebensmittelrecht und Lebensmittelanalytik
  • Kompetente Berater der Verwaltung, der Politik und der Verbraucher

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