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Bestrahlung von Lebensmitteln - ein bleibendes Thema

3 GewürzeSichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel, die unabhängig von Jahreszeit und Herstellungsort zur Verfügung stehen, sind für die heutige Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit. Nur durch entsprechende Bearbeitungs- und Verarbeitungstechnologien kann dieser Forderung nachgekommen werden. Verfahren zur Haltbarmachung spielen hierbei eine wichtige Rolle. Neben den klassischen Verfahren wie z.B. der Pasteurisation von Milch oder der kombinierte Druck- und Hitzebehandlung von Konserven wird in vielen Ländern die Behandlung von Lebensmitteln mit ionisierenden Strahlen als eine alternative Konservierungsmethode eingesetzt.

Bei diesem physikalischen Verfahren wirkt Strahlungsenergie auf das Lebensmittel ein. Je kürzer die Wellenlängen, desto energiereicher und damit durchdringender und wirkungsvoller werden die Strahlen. Wirken höher energetische Strahlen - wie Gamma- oder Röntgenstrahlen - auf ein Lebensmittel ein, geben sie so viel Energie an die Materie ab, dass dabei Elektronen aus den Elektronenhüllen der Atome herausgestoßen werden können und eine Vielzahl von geladenen Teilchen entsteht. Diese Teilchen nennt man Ionen; daher der Name "ionisierende Strahlung".
Die beschriebenen Wechselwirkungen können beim Bestrahlen von lebenden Zellen lebenswichtige Moleküle, z. B. des Erbmaterials, zerstören. Auf diese Weise werden Mikroorganismen abgetötet oder an ihrer Vermehrung gehindert, sodass sie nicht mehr zum Lebensmittelverderb führen. Als Strahlenquellen dienen vor allem radioaktive Isotope wie Cobalt-60 und Cäsium-137 sowie Elektronenbeschleuniger, in denen Elektronenstrahlen erzeugt werden. Die Lebensmittel kommen während des Bestrahlungsvorgangs weder mit der Strahlenquelle in Berührung noch werden sie dabei radioaktiv.

Anwendungsbereiche der Lebensmittelbestrahlung
Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. So verhindert die Bestrahlung zum Beispiel das Auskeimen von Kartoffeln und Zwiebeln, sie bewirkt eine Keimreduzierung bei Gewürzen, Garnelen, Shrimps und Geflügelfleisch und verlängert die Haltbarkeit von Früchten

Gesetzliche Grundlagen der Lebensmittelbestrahlung
Die Bestrahlung von Lebensmitteln wurde 1999 gemeinschaftsrechtlich in einer EU-Richtlinie harmonisiert und mit der Lebensmittelbestrahlungsverordnung (LMBestrV) vom 14. Dezember 2000 in deutsches Recht umgesetzt. Demnach dürfen in Deutschland nur getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze zur Entkeimung bestrahlt werden. Dabei muss jede Anlage, die für die Bestrahlung von Lebensmitteln eingesetzt wird, unter anderem durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden kontrolliert und zugelassen werden. Andere bestrahlte Lebensmittel dürfen in Deutschland grundsätzlich nicht im Handel angeboten werden, es sei denn, es gibt eine Ausnahmegenehmigung für Produkte, die in anderen EU-Staaten rechtmäßig in Verkehr sind und bei denen keine gesundheitlichen Bedenken bestehen. So dürfen zum Beispiel tiefgefrorene bestrahlte Froschschenkel nach Deutschland eingeführt und hier vermarktet werden.
Gemäß der Verordnung sind alle bestrahlten Lebensmittel mit dem Hinweis "bestrahlt" oder "mit ionisierenden Strahlen behandelt" zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnungspflicht gilt auch für bestrahlte Lebensmittelbestandteile, die als Zutat Verwendung finden. Auch in Restaurants oder Kantinen müssen die Kunden durch Aushang oder Hinweise auf der Speisekarte informiert werden.

Untersuchungsmethoden bei der Lebensmittelbestrahlung
Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in den Untersuchungsämtern der Bundesländer überprüfen die Einhaltung der Vorschriften durch Untersuchung von Stichproben und sind an den Kontrollen der Bestrahlungsanlagen beteiligt.  Dazu sind eine Reihe aufwändiger und teurer analytischer Verfahren entwickelt worden, die eine Erkennung bestrahlter Ware mit großer Sicherheit ermöglichen. Die durch die Strahlenbehandlung hervorgerufenen Veränderungen werden mit chemischen, biochemischen oder physikalischen Methoden nachgewiesen. Die drei am erfolgreichsten angewandten Techniken sind dabei die Elektronenspinresonanz- Spektroskopie (ESR), die Thermolumineszenz- Analyse (TL) und der Nachweis über Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (GC-MS).

Untersuchungsschwerpunkt Gewürze

Bahnen von Gewürzen 

Abb.: Kräuter und Gewürze

Die Lebensmittelbestrahlung bietet vor allem bei Kräutern und Gewürzen eine sichere und rückstandsfreie Alternative zur chemischen Desinfektion und wird weltweit in vielen Staaten angewandt.

Die meisten Pflanzen, die als Gewürze verwendet werden, bevorzugen ein überwiegend sonniges, warmes Klima, das vor allem in den Anbaugebiete  in Südamerika, Nordafrika sowie in Süd- und Osteuropa zu finden ist.  Da die Pflanzen unter freiem Himmel wachsen, können krankheitserregende Keime beispielsweise durch Vögel, Nager oder auch durch organische Düngung übertragen werden und auf Grund der klimatischen Bedingungen auch zu erhöhter Verkeimung führen. Mit krankheitserregenden Mikroorganismen belastete Gewürze können bei unzureichender Erhitzung wiederum andere Lebensmittel wie Fleisch oder Salate verderben und die Gesundheit gefährden, wenn sich die Keime dort vermehren.

Ein Untersuchungsschwerpunkt beim Nachweis von bestrahlten Lebensmitteln liegt deshalb bei dieser Produktgruppe. So handelte es sich beispielsweise bei ca. einem Drittel der im LGL Bayern zwischen 2010 und 2012 auf eine Behandlung mit ionisierenden Strahlen untersuchten ca. 2500 Lebensmittelproben um Gewürze und Kräuter. Die von den Experten festgestellte Beanstandungsquote für nicht korrekt gekennzeichnete Gewürze lag in diesem Zeitraum zwischen 0,4 % und 1,1 % (siehe Tabelle). Bei 25 Trockensuppen aus der Türkei waren die Gewürze in der Zutatenliste korrekt als "bestrahlt" gekennzeichnet.

Tabelle:  Zusammenstellung von Daten zur Bestrahlung von Gewürzen aus den Jahresberichten des LGL (Link s.u.)  

   Anzahl ohne
Beanstandung
   
Anzahl bestrahlter
Proben mit
fehlender
Kennzeichnung
   
Lebensmittel wichtige
Herkunfts-
länder
2010 2011 2012 2010 2011 2012
Gewürze und
Instandgerichte,
-soßen aus
Asien,
Türkei 
52 79 41   
Kräuter,
Gewürze
Asien, USA,
Südamerika 
230  246  224 
Beanstandungs-
quote in Prozent
        0,4  0,9  1,1 

Das BVL veröffentlicht die nationalen Jahresberichte zur Lebensmittelbestrahlung (Link s.u.). Im Jahr 2011 wurden bundesweit 3.012 Lebensmittelproben (Vorjahr 3.257) auf Bestrahlung untersucht. 63 Proben, d. h. 2,1 % (Vorjahr 1,1 %) der Gesamtprobenzahl, wurden beanstandet. Für das Jahr 2012 liegt die bundesweite Auswertung noch nicht vor.

Links zum Thema Lebensmittelbestrahlung:
http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/technologien/bestrahlung/
http://www.bll.de/themen/lebensmittelbestrahlung/
http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/cef110406.htm
http://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/03_Verbraucher/10_LMBestrahlen/lm_LM_Bestrahlen_node.html

Jahresberichte des LGL Bayern:
http://www.lgl.bayern.de/publikationen/jahresberichte.htm

Fazit
Bestrahlung ist ein zulässiges Behandlungsverfahren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln. In Deutschland dürfen nur Kräuter und Gewürze bestrahlt werden. Die verwendeten Bestrahlungsanlagen müssen sicher und zuverlässig arbeiten und die bestrahlten Lebensmittel müssen gekennzeichnet sein. Eine verlässliche amtliche Kontrolle auf hohem wissenschaftlichem Niveau erfordert fachkundiges Personal und Labore mit moderner Analysentechnik. Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker der amtlichen Laboratorien führen regelmäßig Stichprobenuntersuchungen durch und tragen dazu bei, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Damit der Verbraucherschutz in Deutschland weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt, wehrt sich der BLC gegen Einsparungen am falschen Ende und fordert die Bereitstellung einer ausreichenden personellen und apparativen Ausstattung.

Lebensmittelchemiker/-innen in Lebensmitteluntersuchung und -überwachung sind:

  • Experten in Sachen Lebensmittel, einschließlich Wein sowie für Kosmetika und Bedarfsgegenstände, Lebensmittelrecht und -analytik
  • kompetente Berater der Verwaltung, der Politik und der Verbraucher

Diese Pressemitteilung können Sie hier als PDF-File herunterladen.

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