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In vino veritas? - Wein und amtliche Weinkontrolle

Rotwein mit GlasDer Weinkonsum in Deutschland beschränkt sich nicht Produkte aus deutscher Erzeugung. Traditionell gehören Weine aus den Nachbarstaaten Frankreich und Italien zu den beliebtesten Auslandsweinen. Schon in der Frühphase der Europäischen Gemeinschaft begann das europäische Weinrecht eine wichtige Rolle zu spielen. Waren doch die großen Gründerstaaten allesamt Weinproduzenten. Wie inzwischen in fast allen lebensmittelrechtlichen Verordnungen der Europäischen Union haben auch beim Weinrecht unmittelbar geltende EU-Verordnungen Einzug gehalten.  Weiterhin gilt in Deutschland aber auch ein nationales Weingesetz, das weitere Vorschriften z. B. für die Zuordnung von Weinen zu bestimmten Qualitätsstufen enthält. Viele haben mit Sicherheit schon einmal von der Einteilung der Weine in Prädikatsweine, Qualitätsweine b. A. (bestimmter Anbaugebiete) und Landweine gehört. Daneben gibt es noch Wein, der für die Herstellung von weinhaltigen Getränken und Schaumwein bestimmt ist.

Für die Überprüfung der Einhaltung all dieser Vorgaben sind in der Bundesrepublik die Bundesländer zuständig.

Die größten Weinbaugebiete finden sich in Deutschland im Südwesten, dort wo im Altertum die Römer den Weinbau aus dem Süden ihres Herrschaftsbereiches nach Norden weiter verbreitet haben. Dort besitzt auch die Weinkontrolle ihre größten Ressourcen.

In keinem anderen landwirtschaftlichen Bereich gibt es so viele Vorschriften zu beachten. Dies gilt für die Erzeuger und die amtliche Kontrolle gleichermaßen. Und dennoch ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Weinskandalen gekommen. Manchmal geht es dabei nur um Etikettenschwindel. In  vielen Fällen werden Weine aber auch verschnitten oder geschönt, um höhere Verkaufspreise zu erzielen. Hier setzt die amtliche Weinkontrolle an.
WeinanbauDie Kontrolleure prüfen nicht nur die Winzer und ihre Betriebsabläufe, Lager und Verkaufsmengen. Sie entnehmen auch Proben zur weiteren Untersuchung in den Laboratorien der staatlichen Lebensmittelüberwachung.  Dort wird der Wein dann auf Herz und Nieren geprüft. Neben einer Qualitätskontrolle erfolgt auch eine Prüfung der Herkunft. Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker analysieren auf die Einhaltung der Vorschriften des Weinrechts. Dazu zählt auch eine Kontrolle der Herkunft. Hier haben Datenbanken mit bekannten Weinen definierter Herkunft aus aller Welt den Grundstein für eine umfassende Kontrolle gelegt. Damit kann mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wein einem bestimmten Anbaugebiet zugeordnet werden. In vielen Fällen ist diese Zuordnung sogar noch genauer möglich.  Die Erstellung, Ergänzung und Aktualisierung solcher Datenbanken ist eine aufwändige, kostenintensive Angelegenheit. Deshalb werden diese Datenbanken länderübergreifend betrieben. Die Europäische Union unterhält z. B. ein Institut in Ispra in Norditalien, das eine umfangreiche Referenzdatenbank pflegt.

Geschützte Bezeichnungen haben im Weinbereich immer mehr Einzug gehalten. Die so geschützten Erzeugnisse werden auf die Rechtmäßigkeit dieser Angaben kontrolliert. Das gilt auch für Bioweine. Hier sind die Erzeugung der Trauben und die Herstellung der Weine an die Vorgaben der entsprechenden Verordnungen gebunden. Auf bestimmte Zusätze und Produktionshilfsmittel wird dabei verzichtet.
 
Traditionell wird bei der Herstellung von Wein aber auch bei der Produktion von getrockneten Weintrauben Schwefeldioxid als Konservierungs- bzw. entkeimendes Mittel eingesetzt. So wird z. B. die sogenannte Süßreserve, mit Schwefeldioxid versetzt. Als Süßreserve wird ein unvergorener Traubensaft, der unter bestimmten Umständen einem vollständig vergorenen Wein zur Erzeugung eines lieblichen oder halbtrockenen Charakters zugesetzt werden kann, bezeichnet.  Damit diese Süßreserve nicht spontan durch wilde Hefen vergären kann, wird sie mit Schwefeldioxid "stumm geschwefelt". Generell ist der Zusatz von Schwefeldioxid nur bis zu bestimmten Höchstmengen zulässig und muss deklariert werden. Das schließt auch die lose Abgabe in der Gastronomie mit ein. Wichtig ist dies für empfindliche Personen, die diesen Zusatzstoff meiden müssen und so eine Auswahl treffen können. Entsprechende Untersuchungen auf erlaubte und verbotene Zusätze werden ebenfalls von den Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemikern in den staatlichen Untersuchungseinrichtungen durchgeführt.

RotweintraubenAber nicht nur die Herkunft und Zusammensetzung von Weinen ist ein wichtiges Aufgabengebiet. Auch die Qualitätsprüfung nimmt einen breiten Raum ein. In erster Linie geht es hier um die Weinverkostung. Sensorisch geschulte Personen wirken bei der Beurteilung von Geruch, Geschmack und weiteren Parametern mit, um die Klassifizierung der einzelnen Weine zu prüfen und die Qualität zu beurteilen.

Wie alle pflanzlichen Erzeugnisse werden auch Weinreben und -trauben von Pflanzenkrankheiten, Pilzen und Schädlingen heimgesucht. Die Anwendung von entsprechenden Bekämpfungsmitteln unterliegt gesetzlichen Restriktionen, die eine Überwachung durch die zuständigen Behörden erfordern. Während im Wein bedingt durch die Herstellungsmethoden in der Regel keine oder nur sehr geringe Rückstände  gefunden werden, sieht dies bei den in den im Süden Europas traditionell in der Küche verwendeten Weinblättern, ebenso wie bei Tafeltrauben ganz anders aus. Bei Weinblättern ist es schon des Öfteren zu Überschreitungen der Höchstmengen an Pflanzenschutzmitteln gekommen.  Beide Lebensmittel sind allerdings keine Erzeugnisse im Sinne des Weinrechts und unterliegen der Kontrolle der allgemeinen Lebensmittelüberwachung.

Auch bei Auslandsweinen kontrollieren Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker die Herkunft, die Zusammensetzung und die Deklaration. Insbesondere bei Weinen aus dem außereuropäischen Ausland sind auch in Europa nicht zugelassene Behandlungsmittel und Herstellungsmethoden möglich. Die Erzeugnisse dürfen jedoch nicht die Gesundheit der Konsumenten schädigen. Im Gegensatz zu den Auslandsweinen wird bei den heimischen Erzeugnissen neben der Untersuchung in den Laboratorien auch eine regelmäßige umfassende Betriebskontrolle durch die Weinkontrolleure durchgeführt.

Fazit
Wein ist nicht nur ein Lebensmittel, sondern gehört in Deutschland mit zu den Kulturgütern. Umso wichtiger ist eine verlässliche amtliche Kontrolle auf hohem wissenschaftlichem Niveau. Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker der amtlichen Laboratorien untersuchen tagtäglich deutsche und ausländische Weine und tragen dazu bei, dass die gesetzlichen Vorgaben besser eingehalten werden. Damit der Verbraucherschutz in Deutschland weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt, wehrt sich der BLC gegen Einsparungen am falschen Ende und fordert die Bereitstellung einer ausreichenden personellen und apparativen Ausstattung.

Lebensmittelchemiker/-innen in Lebensmitteluntersuchung und -überwachung sind:

  • Experten in Sachen Lebensmittel, einschließlich Wein sowie für Kosmetika und Bedarfsgegenstände, Lebensmittelrecht und -analytik
  • kompetente Berater der Verwaltung, der Politik und der Verbraucher

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