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Gentechnik in Lebensmitteln – Lebensmittelchemiker auf Spurensuche

Weizen

 

Neue Rekordzahlen für den Anbau von gentechnisch veränderten (GV) Pflanzen werden aus Übersee vermeldet: Auf jeweils ca. 90 % der Anbauflächen bei Soja, Mais oder Zuckerrüben wurden in den USA im Jahr 2012 GV-Sorten angebaut. Auch in Brasilien nahm der Anteil an GVSoja auf mittlerweile 85 % zu.

Angesichts des globalen Warenverkehrs ist es umso erstaunlicher, dass die Gentechnik bei Lebensmitteln in Europa dank intensiver Kontrollen und zumeist weitreichender Vermeidungskonzepte zumeist nur in Form von Spuren anzutreffen ist.

Dennoch sind diese Spurenverunreinigungen nicht immer unproblematisch: Mit die strengsten Regelungen weltweit sollen in Europa dafür sorgen, dass bei in der EU nicht zugelassenen GV Organismen (GVO) selbst Spurenanteile zu einem Verkehrsverbot führen.

Nur bei in der EU zugelassenen GVO gilt der Kennzeichnungsschwellenwert von maximal 0,9 %, sofern diese Anteile nachweislich zufällig und technisch unvermeidbar sind:

Status des GVO Grenzwert Beispiele Maßnahme bei Überschreitung
des Grenzwertes
Zugelassen 0,9 % Roundup Ready Soja,
MON 810 Mais
Kennzeichnung
Nicht zugelassen Nulltoleranz
(analytisch)
GV Reis Verkehrsverbot

Immer wieder neue Fälle

Mit schöner Regelmäßigkeit rücken neue Befunde bei nicht zugelassenen GV-Pflanzen in den Fokus: Beschränkte sich der sogenannte Bt10-Mais-Fall noch auf die USA, so war bei den Verunreinigungsfällen in Reis und Reisprodukten ab 2006 (Herkunft USA bzw. China) sowie Leinsamen (Herkunft Kanada) auch der europäische Lebensmittelmarkt stark betroffen. Im Umfang kleinere Lieferungen mit nicht zugelassener GV-Papaya aus den USA sowie Thailand wurden ebenfalls im deutschen Handel angetroffen. Ganz aktuell ist ein in Oregon (USA) jetzt festgestellter Kontaminationsfall bei GV-Weizen. Es ist derzeit noch nicht abschätzbar, ob auch GV-Weizen-haltige Lieferungen außerhalb der USA gelangten. Auch in Deutschland laufen entsprechende Tests jetzt an.

Immer handelte es sich um GV-Pflanzen, die selbst im jeweiligen Anbauland keine Zulassung aufwiesen und für die teilweise auch keine Sicherheitsbewertung verfügbar war. Diese Fälle wären somit auch nicht von einer Lockerung der Nulltoleranz für nicht zugelassene GVO in Lebensmitteln erfasst gewesen. Eine solche Lockerung ist seitens der EU-Kommission in den vergangenen Jahren zwar immer wieder ins Auge gefasst, aber bislang nicht umgesetzt worden. Nur im jeweiligen Land zugelassene GV-Pflanzen könnten ggf. von solchen Neuregelungen profitieren, wie dies bereits bei Futtermitteln geschehen ist.

In der Praxis häufig anzutreffen: botanische Verunreinigungen

Gentechnische Veränderungen sind nicht nur dort nachweisbar, wo man sie zunächst erwarten würde: Verunreinigungen bei Anbau, der Ernte, der Lagerung oder dem Transport können beispielsweise dazu führen, dass Bestandteile der weltweit bedeutsamsten GV- Pflanze, des Roundup Ready Soja der Firma Monsanto, auch in Weizen- oder Maismehlen nachweisbar sind.

Rechtlich problematisch wird es, wenn solche botanischen Verunreinigungen mit GV-Bestandteilen in Produkten enthalten sind und keine entsprechenden Zulassungen bestehen, so etwa bei GV Raps in Senf. In diesem konkreten Fall ist jedoch derzeit davon auszugehen, dass die allgemeine Zulassung des nachgewiesenen GV-Raps in Bälde erfolgt. Ist dies nicht der Fall, gilt auch hier ein Verkehrsverbot für die betroffenen Produkte.

Analytik: Auf ein gutes GVO-Screening kommt es an!

PipettierroboterGentechnische Veränderungen werden heute ganz überwiegend mit DNA-analytischen Methoden auf Basis der real-time PCR nachgewiesen und ggf. quantifiziert. Diese Untersuchungstechnik hat in den vergangenen 10 bis 15 Jahren eine stürmische Entwicklung durchlaufen. In vielen Labors kommen mittlerweile auch sogenannte Multiplex-real-time PCR-Verfahren zur gleichzeitigen Amplifikation mehrerer Zielsequenzen zum Einsatz. Gerade beim ersten Untersuchungsschritt, dem Screening, leisten sie wertvolle Dienste.
 
An der generellen Untersuchungsstrategie, zunächst auf DNA-Sequenzen zu screenen, die häufig in GVO vorkommen, hat sich seit knapp 20 Jahren nichts geändert. Nach wie vor wird auf Sequenzen des Blumenkohlmosaikvirus 35S-Promotors (P35S) und des nos-Terminators (T-nos) gescreent. Selbstverständlich erweitert sich der Werkzeugkasten für das Screening ständig und Untersuchungsstrategien sind permanent neuen Erkenntnissen anzupassen; Datenbanken oder Tabellen unterstützen den Analytiker hierbei.

Aber selbst im aktuellen Fall von GV-Weizen kann ein Test auf P35S und T-nos-Weizen erste Indizien liefern.

Strategien PCR

Schwierig ist die GVO-Analytik nach wie vor beim Nachweis nicht zugelassener GVO. Oftmals stehen weder Sequenzinformationen noch Positivkontrollen zur Verfügung. Bewährt haben sich nationale oder internationale Netzwerke der Analytiker, die aktuell verfügbare Erkenntnisse und Methoden zusammentragen, wie etwa beim Leitfaden zum Nachweis von GV-Reis geschehen.

Zunehmend gefragt: Das „ohne Gentechnik“ -Logo

Logo Ohne GentechnikEine zunehmende Zahl konventionell, d.h. nicht ökologisch ausgerichteter Erzeuger und Hersteller von Lebensmitteln tierischer Herkunft macht von der Möglichkeit Gebrauch, die Produkte mit der Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ zu bewerben und dabei das deutschlandweit einheitliche Logo zu verwenden. Zu erfüllen sind eigens spezifizierte gesetzliche Anforderungen, die im Bereich tierischer Lebensmittel insbesondere die Futtermittel umfassen und mit denjenigen für Bio-Produkte vergleichbar sind.

Die Kontrolle ist hier nicht immer einfach: Während bei Tofu „ohne Gentechnik“ ein negativer Analysenbefund viel Aussagekraft hat, ist eine analytische Überprüfung bei Fleisch, Milch und Eiern nicht zielführend. Die möglicherweise im Futter enthaltenen gentechnischen Veränderungen lassen sich im tierischen Lebensmittel nicht nachweisen. Hier sind vor-Ort-Kontrollen mit einer Rückverfolgung bis zum Erzeuger notwendig; dort können erforderlichenfalls Futtermittel beprobt werden.

Immer wieder werden auch Lebensmittel werbewirksam „ohne Gentechnik“ beworben, bei denen dies eigentlich selbstverständlich ist, etwa weil weltweit keine GV-Pflanze kommerziell angebaut wird, wie z.B. bei Äpfeln. Hier gilt es, einer möglichen Verbrauchertäuschung einen Riegel vorzuschieben.

Lebensmittelchemiker/-innen in der amtlichen Lebensmittelüberwachung sorgen auch auf diesem sensiblen, verbraucherpolitisch wichtigen Gebiet mit ihrem analytischen Spürsinn und lebensmittelrechtlichen Sachverstand dafür, dass die Produkte sachgerecht und umfangreich kontrolliert und Verbraucher nicht getäuscht werden.

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