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Gift unter der Haut? - Skandal um Tätowiermittel!?

Eine Studie der Universität Leipzig aus dem Jahr 2009 belegt es mit Zahlen: Tätowierungen sind voll im Trend! Sind es in der Gesamtbevölkerung "nur" etwa 10 %, trägt unter den 14 bis 34-Jährigen nahezu jeder Vierte diesen dauerhaften Körperschmuck. Während das "starke Geschlecht" die Arme bevorzugt, zählen bei Frauen Steiß und Rücken zu den beliebtesten Stellen [1].

Unterarm mit TatooDa durch das Tätowieren die Barrierefunktion (Schutz) der Haut aufgehoben wird, ist es besonders wichtig zu wissen, wo diese Farbstoffe im Körper verbleiben und was sie bewirken. Über die Verteilung dieser Substanzen im menschlichen Körper gibt es kaum Daten; Veröffentlichungen belegen jedoch Funde von Pigmenten in den Lymphknoten tätowierter Personen [2]. Studien an Mäusen zeigen, dass etwa 30 % bis 60% der eintätowierten Tinte innerhalb von vier Wochen im Körper verteilt wird. Die Zahl der betroffenen Organe und das Ausmaß sind allerdings bisher noch nicht bekannt [3; 4; 6]. Man sollte wissen, dass viele der in bunten Tattoofarben verwendeten Farbpigmente eigentlich für industrielle Zwecke gefertigt sind, z.B. für Autolacke, Schreibtinten oder Druckfarben.

In Deutschland sind die Tätowiermittel erst seit 2005 rechtlich durch das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) und seit 2009 durch die Tätowiermittel-Verordnung geregelt. Tätowierfarben sind vor dem Inverkehrbringen nicht zulassungspflichtig, d. h. allein der Hersteller oder Importeur ist im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht für die gesundheitliche Unbedenklichkeit seiner Erzeugnisse bis zum Öffnen der Flasche verantwortlich. Die Einhaltung der Mindesthaltbarkeit bzw. einer Verwendungsdauer nach dem ersten Öffnen sowie eine hygienisch einwandfreie Anwendung der Farben obliegen dem Tätowierer. In Bezug auf die stoffliche Zusammensetzung enthält die Tätowiermittel-Verordnung Regelungen zu verbotenen Stoffen. So dürfen z. B. Farbstoffe, an deren gesundheitlicher Unbedenklichkeit Zweifel bestehen, nicht verwendet werden. Alle Inhaltsstoffe der Tätowiermittel müssen kenntlich gemacht werden. Die Kontrolle der Einhaltung der rechtlichen Vorgaben erfolgt im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung; Lebensmittelchemiker/-innen der amtlichen Laboratorien führen die Untersuchungen und Bewertungen durch.

In der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA) wurden beispielsweise 2011 insgesamt 26 Tätowiermittel geprüft, davon 13 bunte und 13 schwarze Farben. 22 der 26 eingereichten Proben waren zum Teil aufgrund ihrer stofflichen Zusammensetzung, aber auch wegen Kennzeichnungsmängeln zu beanstanden. Von 13 schwarzen Tattoofarben enthielten acht bedenkliche Mengen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und wurden daher als "geeignet, die Gesundheit zu schädigen" beurteilt [5]. Darüber hinaus ist bekannt, dass durch PAK unter Einwirkung von UVA-Strahlung (überall vorkommend und Hauptbestandteil bei Bräunung in Solarien) in der Haut schädlicher Singulett-Sauerstoff (freie Radikale) gebildet wird [4].

Tatoo DrachenUm den Verbraucher vor gesundheitlichen Risiken zu schützen, sind Lebensmittelchemiker/innen außer in den Untersuchungsämtern vereinzelt auch in den Kontrollbehörden der Lebensmittelüberwachung der Landkreise und Städte tätig. Dort ist es u. a. ihre Aufgabe, die nötigen Maßnahmen z.B. in Tattoostudios bzw. im Handel oder bei den Herstellern zu veranlassen und zu überwachen. Je nach Sachlage sind z. B. folgende Maßnahmen zu ergreifen: Abgabe der Beanstandung an das für den Hersteller oder Importeur des Erzeugnisses zuständige Amt, amtliche Beobachtung der Rückführung der Ware, Sicherstellung bzw. Beschlagnahme von Produkten, Einstellung einer Meldung in das Schnellwarnsystem der EU (RAPEX) oder auch Sanktionierung.

Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Dresden erhielt im Jahr 2012 mehrere Informationen über zu beanstandende Tätowiermittel. Aufgabe der Lebensmittelchemiker/-innen war es somit, diese als gesundheitlich bedenklich bewerteten Erzeugnisse aus dem Verkehr zu ziehen. In einem Fall wurde bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gestellt.

Wie soll diese Aufgabe des Vollzugs sachgerecht im Sinne des Verbraucherschutzes ausgeführt werden, wenn in den Überwachungsämtern der Kommunen nicht ausreichend Lebensmittelchemiker/-innen im Vollzug tätig sind.

Der BLC fordert seit Jahren mehr lebensmittelchemischen Sachverstand auf allen Ebenen der Lebensmittelkontrolle. Es ist dringend geboten, den insbesondere bei der Kontrolle und im Vollzug in Großbetrieben und in Betrieben mit spezifischen Fragestellungen, wie Kosmetik (Tätowiermittel), Textilien und Lebensmittelverpackungen dringend notwendigen lebensmittelchemischen Sachverstand zu integrieren.

Lebensmittelchemiker/-innen in Lebensmitteluntersuchung und -überwachung: Experten nicht nur in Sachen Lebensmittelkunde, Lebensmittelrecht und Lebensmittelanalytik, sondern auch in den Bereichen Kosmetik, Tätowierung, Bedarfsgegenstände.

Literatur:

[1] Verbreitung von Tätowierungen, Piercing und Körperhaarentfernung in Deutschland. Pressemitteilung, Universität Leipzig, 13. Juli 2009
[2] http://www.bfr.bund.de/cm/343/anforderungen fuer eine sicherheitsbewertung von taetowiermitteln.pdf
[3] Abwiegeln, wegschieben, vertuschen. Zeitschrift Öko-Test, Heft 1/2013, S. 94 ff.
[4] Tattoo Inks contain polycyclic aromatic hydrocarbons that additionally generate deleterious singlet oxygen. Regensburger, J. et.al. Experimental Dermatology 2010, 19, e275-e281.
[5] Tätowiermittel können krebserregende PAK enthalten. Stellungnahme Nr. 044/2011 des BfR vom 1. Juli 2011
http://www.bfr.bund.de/cm/343/taetowiermittel-koennen-krebserregende-pak-enthalten.pdf
[6] TATTOO PIGMENTS IN SKIN: Determination and Quantitative Extraction of Red Tattoo Pigments. Engel, E.: Dissertation, Uni Regensburg, 2007

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