Anmeldung

Kontrollbarometer - keine Hygieneampel: Was erwartet den Verbraucher?

"Kontrollbarometer" (fälschlich auch als  Hygieneampel bezeichnet) - ein heiß diskutiertes und emotionsgeladenes Thema. Was verbirgt sich aber dahinter? Was liefert es dem Verbraucher, was dem Unternehmer? An dieser Stelle muss klargestellt werden, dass mit dem Kontrollbarometer weit mehr als nur die reine Hygiene erfasst wird. Daher ist es besonders bedeutsam, ausschließlich die umfassendere Bezeichnung "Kontrollbarometer" zu benutzen. Wer in der Berichterstattung lediglich von der "Hygieneampel" spricht, hat das gesamte System der amtlichen Lebensmittelkontrollen nicht verstanden und ist eher auf Panikmache und Manipulation der Verbraucher aus als auf sachgerechte Information.
Mit dem Kontrollbarometer wird das Ergebnis der amtlichen Betriebskontrollen dargestellt.

GroßkücheDie Einhaltung lebensmittelrechtlicher Vorschriften wird bundesweit durch mehr als 400 amtliche Stellen überwacht, die überwiegend auf kommunaler Ebene angesiedelt sind. Dabei werden alle Betriebe einer Risikobewertung unterzogen.
Hierbei werden 4 Hauptkriterien beurteilt:

  1. Betriebsart
  2. Verhalten des Unternehmers
  3. Verlässlichkeit der Eigenkontrollen
  4. Hygienemanagement.

Die Einstufung der Betriebsart erfolgt landeseinheitlich auf der Grundlage einer Allgemeinen Verwaltungsvorschrift des Bundes. Hierauf hat der Lebensmittelunternehmer keinen Einfluss. Die übrigen 3 Hauptkriterien kann der Unternehmer jedoch durch sein Verhalten und seine Betriebsführung selbst beeinflussen. Die Risikobewertung ist damit nicht nur eine Momentaufnahme des aktuellen Hygienezustands im Betrieb, sondern gibt vielmehr Auskunft darüber, wie ein Lebensmittelunternehmer seiner Sorgfaltspflicht auf mittlere Sicht gerecht wird.
Die amtlichen Kontrolleure überprüfen regelmäßig, ob und wie der Unternehmer die lebensmittelrechtlichen Vorgaben einhält und ob seine Mitarbeiter regelmäßig fachlich geschult werden. Einen weiteren Schwerpunkt bei den amtlichen Kontrollen stellen die Eigenkontrollen dar. Wie gewährleistet der Unternehmer, dass seine Produkte den Verbraucher gesundheitlich nicht schädigen oder täuschen. Das Hauptaugenmerk bei einer amtlichen Kontrolle liegt jedoch beim Hygienemanagement. Hierzu zählen die bauliche Beschaffenheit, die Reinigung, die Personalhygiene, die Produktionshygiene und die Schädlingsbekämpfung (besser Vorbeugung). Jede amtliche Regelkontrolle führt zu einer Überprüfung der Bewertung des Betriebes.

Die Ergebnisse der amtlichen Kontrollen wurden den Verbrauchern bisher nicht öffentlich zur Verfügung gestellt. Notwendige Maßnahmen wurden auf Verwaltungsebene zwischen der Lebensmittelüberwachung und dem Unternehmer gelöst. Die Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung leisten seit Jahren gute Arbeit, sie rücken jedoch nur dann in den Fokus der Verbraucher, wenn ein Lebensmittelskandal die Presse bewegt. 

Mit der erstmaligen transparenten Darstellung der Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelkontrollen für jedes einzelne Unternehmen soll Vertrauen beim Verbraucher aufgebaut und die Rolle des Verbrauchers gestärkt werden. Gleichzeitig soll der Unternehmer motiviert werden, Mängel gar nicht erst aufkommen zu lassen. Schließlich liefert das Kontrollbarometer auch Transparenz für die kontinuierliche Arbeit des Überwachungspersonals.
Mit diesen Hintergründen soll die aktive Umsetzung des Kontrollbarometers in nordrhein-westfälischen Pilotkommunen im nächsten Jahr getestet werden. Ab diesem Zeitraum können sich Verbraucher im Internet über die letzten amtlichen Kontrollen in ihrer Gaststätte (einschließlich Imbisseinrichtung) informieren. Später soll dieses Angebot auch auf weitere Lebensmittelbetriebe wie Bäckerei und Metzgerei/Fleischerei, Gemeinschaftsverpflegung und Caterer, Einzelhandel und andere Betriebe mit direkter Abgabe an Verbraucher ausgedehnt werden.

Bei den Wochenmärkten hat es der Verbraucher bereits jetzt durch Blick in den Verkaufsstand in der Hand, sich vom Hygienezustand und dem korrekten Umgang mit den Lebensmitteln zu überzeugen.
BaumängelInwieweit die transparente Darstellung der Kontrollergebnisse tatsächlich zu einer Senkung der Beanstandungen führt, muss das wahre Leben zeigen. Beanstandungen korrelieren häufig mit den Fachkenntnissen der Unternehmer bzw. ihrer Mitarbeiter. Erwähnenswert ist hier die relativ hohe Zahl der Neuanmeldungen von Gaststätten (besonders Imbisseinrichtungen), aber auch deren Abmeldungen. Als eine Ursache werden die geringen Zugangsvoraussetzungen gesehen. Hier ist die Politik gefordert, Änderungen im Sinne des Verbraucherschutzes herbeizuführen und höhere fachliche Kenntnisse zu fordern. Zur Eröffnung eines Handwerksbetriebes als Bäcker, Fleischer oder Konditor ist ein Meister als fachliche Qualifikation erforderlich, Gaststätten (einschließlich Imbisseinrichtung) oder andere Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte können als Dienstleistungsgewerbe dagegen ohne fachliche Ausbildung eröffnet werden. Selbst zum Autofahren benötigt man einen Führerschein.

Fazit: Im Gesamtprozess der Lebensmittelkette spielt der Verbraucher eine entscheidende Rolle. Durch die transparente Darstellung der amtlichen Kontrollergebnisse soll die derzeit unterrepräsentierte Rolle des Verbrauchers gegenüber den Lebensmittelunternehmern gestärkt werden. Ganz sicher wird die Einführung des Kontrollbarometers kein Allheilmittel gegen unhygienische Zustände in Lebensmittelunternehmen sein. Eine zusätzliche Motivation, die rechtlichen Vorgaben einzuhalten, darf jedoch erwartet werden. Effektiver Verbraucherschutz kann nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten erreicht werden. Basis ist hierbei die Wahrnehmung der Verantwortung durch den Unternehmer. Eine rechtskonforme und transparente Kontrolle der Betriebe rundet das System ab.

Lebensmittelchemiker/-innen in Lebensmitteluntersuchung und -überwachung sind in allen Fragen zu Lebensmitteln kompetente Ansprechpartner.

Deshalb fordert der BLC seit langem:

  • Lebensmittelchemiker/-innen in jeder  Überwachungsbehörde,
  • bundeseinheitliche Vorgehensweise der Behörden bei Kontrollen und im Falle von Verstößen auch bei den Maßnahmen

Diese Pressemitteilung können Sie hier als  PDF-File herunterladen.