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Osterzeit ist Eierzeit

Ausgerechnet kurz vor Ostern beunruhigen Meldungen über Dioxin und dioxinähnliche PCB in Eiern erneut die Verbraucher in Nordrhein-Westfalen und in ganz Deutschland. Die rechtlich festgelegten, sehr niedrigen Höchstmengenregelungen gelten für Lebensmittel aus konventioneller und ökologischer Erzeugung gleichermaßen. Diese Höchstgehalte sollen aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes die Belastung mit diesen Stoffen so weit wie möglich minimieren. Sie markieren keinesfalls eine akute Gefährdung der Verbraucher. Dennoch dürfen Eier nicht mehr verkauft werden, sobald die erhöhte Belastung mit Dioxinen und dioxinähnlichen PCB festgestellt ist. Die Eintragsquellen für die aktuellen Funde unerwünschter Stoffe in Eiern sind noch nicht bekannt, anders als im Jahr 2011.

Die derzeitigen Erkenntnisse (Stand 06.04.2012)

Bei Untersuchungen von Eiern eines nordrhein-westfälischen Bio-Betriebes mit rund 25.000 Legehennen in Freilandhaltung sind überhöhte Werte von dioxinähnlichem PCB (Polychlorierte Biphenyle) festgestellt worden. Die Herkunft der Verunreinigung ist weiter unklar. Der Hof wurde gesperrt. Die Behörden untersuchen zudem, inwieweit die betroffenen Betriebe bzw. das private Labor ihren Meldeverpflichtungen, die nach der Dioxin-Krise zum Jahreswechsel 2010/2011 im Sommer 2011 neu eingeführt wurden, rechtzeitig nachgekommen sind.

Außerdem wurden bei zwei weiteren kleinen Direktvermarktern in Duisburg bei amtlichen Routine-Untersuchungen Überschreitungen der Dioxin-Grenzwerte in Bio-Eiern gefunden. Auch diese Höfe wurden gesperrt. Nach derzeitigen Erkenntnissen besteht kein Zusammenhang mit Meldung von belasteten Bio-Eiern vom Vortag.

Dass einer der aktuellen Fälle so weite Kreise ziehen wird wie bei der letztjährigen Dioxin-Krise, wollen wir nicht hoffen. In jedem Fall zeigt sich, dass ausreichende Kapazitäten für Dioxinuntersuchungen in amtlichen Laboratorien auch weiterhin unverzichtbar sind.

Hintergrundinformationen
Dioxine, Furane und dioxinähnliche PCB

Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane (PCDD/F) sind Umweltschadstoffe, die bei industriellen sowie bei Verbrennungs-Prozessen entstehen können. Da diese Stoffe nur sehr schlecht abgebaut werden, können sie sich in der Umwelt und im Menschen anreichern. Chemiker/innen bezeichnen Dioxine und Furane als chlorierte aromatische Ether. Sie umfassen 75 Dioxin- und 135 Furanverbindungen. Diese auch als Kongenere genannten Verbindungen unterscheiden sich in der Stellung der Chloratome an den aromatischen Ringen und im Chlorierungsgrad. Von besonderer Bedeutung hinsichtlich der toxischen Wirkungen sind Kongenere, die an der Position 2,3,7 und 8 Chloratome tragen. Sie besitzen das größte toxische Potenzial und können sich im menschlichen Körper und vor allem im Fettgewebe anreichern.
Die umweltbedingte Belastung des Menschen mit PCDD/F erfolgt im Wesentlichen über die Nahrung. Hierbei werden die PCDD/F vor allem über fetthaltige tierische Nahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte, Fleisch und Fisch aufgenommen.

Wie für jede Substanz ist für Dioxine/Furane die toxische Wirkung abhängig von der Dosis. Relativ zu anderen Stoffen gilt Dioxin als stark toxische Substanz, da auch vergleichsweise geringe Mengen bereits zu gesundheitsschädigenden Wirkungen führen können. Beim Menschen sowie in Tierversuchen ließen sich insbesondere Störungen des Immunsystems sowie reproduktionstoxische und fruchtschädigende Wirkungen feststellen. Zudem sind als mögliche Wirkungen nach Exposition gegenüber PCDD/F vor allem neurotoxische Effekte zu nennen.

Nach Aufnahme großer Mengen konnten beim Menschen Gewichtsverluste, Chlorakne, Lebervergrößerungen und Lebergewebeschäden, Porphyrien (Stoffwechselerkrankung), Vitamin A-, Fett- und Hormonstoffwechselstörungen beobachtet werden. Diese Effekte sind aber unter üblichen Umweltbedingungen von eher geringer Bedeutung. Bei langfristiger Exposition gegenüber Dioxinen stehen die krebserzeugenden Wirkungen des 2,3,7,8-TCDD im Vordergrund. 2,3,7,8-TCDD wurde von der IARC (International Agency for Research on Cancer) als krebserzeugend für den Menschen ("carcinogenic to humans") eingestuft.

Einige polychlorierte Biphenyle (4 non-ortho sowie 8 mono-ortho PCBs nach WHO) besitzen dioxinähnliche Wirkungen und werden als "dioxinähnliche PCB" bezeichnet.
(Quelle: http://www.lanuv.nrw.de/verbraucher/pdf/WirkungenDioxinen.pdf Januar 2011 auszugsweise)

Höchstgehalte und Auslösewerte

Die EU hat 2001 zur Verminderung der Exposition gegenüber Dioxinen und dioxinähnlichen PCB eine Strategie entwickelt, die Höchstmengen für Lebensmitteln und Futtermitteln zur rechtlich einwandfreien Beurteilung der Verkehrsfähigkeit und Auslösewerte zur "Frühwarnung" umfassen.

Die Gehalte an Dioxinen und dioxinähnlichen PCB (dl-PCB) werden als Toxizitätsäquivalente (TEQ) berechnet. Dazu wird die Toxizität der einzelnen Kongenere unter Verwendung eines entsprechenden Faktors (Toxizitätsäquivalenzfaktor TEF) im Vergleich zum 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (kurz 2,3,7,8-TCDD) als Referenz berücksichtigt.

Die Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 setzt Höchstgehalte sowohl für Dioxine als auch für den Gesamt-TEQ-Gehalt (als Summe der Toxizitätsäquivalente von Dioxinen und dl-PCB) fest. Zusätzlich wurden in einer Empfehlung der Kommission (2006/88/EG) separate Auslösewerte für Dioxine und dl-PCB festgesetzt, bei deren Überschreitung die zuständigen Behörden und Unternehmen die Kontaminationsquelle ermitteln und Maßnahmen zur Eindämmung oder Beseitigung der Kontamination ergreifen sollen.

Weitere Informationen

  1. http://www.umwelt.nrw.de/pressearchiv/presse2012/presse120404_b.php: Pressemeldung "Land weist Stadt Duisburg wegen Dioxin in Eiern zur Sperrung von zwei Direktvermarktern an" vom 4. April 2012
  2. https://www.umwelt.nrw.de/pressearchiv/presse2012/presse120405_a.php: Pressemeldung "Ministerium warnt weiter vor mit dioxinähnlichem PCB belasteten Bio-Eiern" vom 6. April 2012
  3. http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=3&Thema_ID=7&ID=1377&lang=DE: "Dioxine in Futtermitteln und Lebensmitteln - Fragen und Antworten" vom Januar 2011
  4. http://www.lanuv.nrw.de/verbraucher/dioxineier.html: "Dioxin in Futtermitteln" vom Januar 2011 
  5. Artikel des BLC im BTB magazin 49. Jahrgang 2011
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