Tributylzinn in TextilienAm 04.01.2000 veröffentlichte das Magazin "Plusminus" des Westdeutschen Rundfunks einen Beitrag zum Thema "Gift in Textilien". Im Auftrag des Magazins hatte ein Untersuchungslabor bei Hamburg körpernah getragene Sportkleidung aus bzw. mit Kunstfasern und zwei Holzschutzmitteln auf deren Gehalt an Organozinnverbindungen untersucht. In einigen Textilproben (z.B. Fußball-trikot, Radhosen und Sportbody) sowie in den beiden Holzschutzmitteln wurden nach Aussage von "Plusminus" mittlere bis sehr hohe Konzentrationen mehrerer Organozinnverbindungen nachgewiesen.Bei den Organozinnverbindungen handelt es sich im Wesentlichen um mono-, di-, tri- und tetraalkylierte Substanzen, die deutlich unterschiedlich toxisch sind. Die größte Toxizität weisen die Trialkylzinnverbindungen auf. Entsprechend den gefahrstoffrechtlichen Regelungen müssen sie aufgrund ihrer Giftigkeit als Reinsubstanz, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als "giftig" oder "sehr giftig" gekennzeichnet werden. Di- und Monoalkylverbindungen sind deutlich weniger toxisch. Von diesen sind nach der Gefahrstoffverordnung nur wenige als gefährliche Stoffe eingestuft. Die Tetraalkylzinnverbindungen dienen zur Herstellung der weniger substituierten Substanzen. Mono- und Dialkylzinnverbindungen werden z.B. eingesetzt als Stabilisatoren für Polyvinylchlorid, als Katalysatoren bei der Kunststoffherstellung oder auch zur Hydrophobierung von Textilien. Trialkylzinnverbindung-en wirken desinfizierend und fungizid und wirken auch gegen Algen und Schnecken. Sie werden z.B. als Holzschutzmittel und in Anstrichfarben für Schiffe (sog. Antifoulingfarben) eingesetzt. Aufgrund der Verwendung in Antifoulingfarben wurden bereits erhöhte Gehalte an Tributylzinn in Schnecken und Muscheln festgestellt. Tributylzinn hat auch eine geringe hormonartige Wirkung, die bei Schnecken zu einer Vermännlichung der weiblichen Tiere bis hin zu einer Sterilität geführt hat. Ein Problem der Trialkylzinnverbindungen ist deren Schwerlöslichkeit in Wasser. Somit können sie sich in der Umwelt und in Organismen (z.B. in Schnecken oder Muscheln, die große Wassermengen filtern) anreichern. Aufgrund der Giftigkeit von Tributylzinn wurde dessen Anwendung in Antifoulingfarben für Schiffe unter 25 m verboten. In der Diskussion ist derzeit ein völliges Verbot für derartige Verwendungszwecke auch für große Schiffe ab dem Jahr 2002 oder 2003. Bei Textilien ist ein Einsatz von Tributylzinnverbindungen möglich zur Verhinderung des Wachstums von Bakterien in Körperschweiß und einer damit verbundenen Geruchsentwicklung. Eine Verwendung ist vor allem bei Textilien aus Kunstfasern zu erwarten, da Kunstfasern, im Gegensatz z.B. zu Baumwolle den Schweiß nicht aufnehmen und verteilen können und damit ein ideales Klima zur Vermehrung von Bakterien schaffen. Zurück zu dem Beitrag des Magazins "Plusminus". Einige Tage nach der Sendung erhielt das Bundesinstitut für den gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) die Einzelwerte der vorgenommenen Untersuchungen. Die Gehalte an Tributylzinn lagen dabei im Bereich von einigen ug/kg Stoff. Bei der ganzen Untersuchungsreihe fiel lediglich ein überhöhter Wert an Di-butylzinn auf. Dieser lag im Bereich von etwa 1 mg/kg Textilie. Die Mitarbeiter des BgVV bewerteten die Gehalte in toxikologischer Hinsicht und kamen zu dem Schluss, dass von den untersuchten Artikeln keine Gefahr für die Gesundheit ausgeht. Die Aufnahme durch die Haut läge etwa bei einem Tausendstel der Werte, die die Weltgesundheitsorganisation für Stoffe vergleichbarer Toxizität empfiehlt. Obwohl keine konkrete Gefährdung der Gesundheit vorläge, haben derart giftige Verbindungen in Textilien nichts zu suchen, da unbedenklichere Alternativen vorhanden sind. Von Dr. Thomas Göllner, Herzogenaurach |