Bundesverband der
Lebensmittelchemiker/-innen
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101. Geburtstag Dr. Hermann Pardun

Am 14.April 2009 kann Dr. Pardun in völliger geistiger Frische seinen 101. Geburtstag feiern. Schon als 18-Jähriger studiert er in Münster Chemie mit den Nebenfächern Physik, Mathematik, Geologie, Botanik und legt dort 1930 das 2. Chemische Verbandsexamen ab. Durch einen schweren Unfall bei Laborversuchen verliert er ein Auge.

1932 promoviert er mit "magna cum laude" und beginnt bei Prof. H. P. Kaufmann am Institut für Pharmazie und Chemische Technologie der Universität Münster mit der Bearbeitung fettchemischer Probleme, die sein ganzes späteres Wirken bestimmen.

Ab 1936 Leiter des Entwicklungslabors der Firma Noblee & Thörl, drängen ihn die Unabhängigkeitsbestrebungen von Fetteinfuhren in der NS-Diktatur dazu, Verfahren zur Gewinnung synthetischer Fettsäuren zu entwickeln. Das führte zu ca. 20 Patentschriften. Seit 1948 in der Deutschen Unilever-Gruppe tätig, setzt Dr. Pardun dort seine Untersuchung zur Verbesserung der Ölsaatenextraktion erfolgreich fort und wird stellvertretender Leiter des Unilever-Zentrallabors in Hamburg-Bahrenfeld.

1954 übernimmt er in Kleve bei den Margarine Werken (später Union Deutsche Lebensmittelwerke) die Leitung des Laboratoriums und erweitert es um ein Entwicklungslabor. Hier erzielt er weitere Verbesserungen in der Ölgewinnung, in der Nutzung von Nebenprodukten - für wirksame Emulgatoren auf Basis von Sojaproteinen bzw. modifizierten Lecithinen - und bei der Palmölfraktionierung für Kakaobutter-Ersatzfette.

Die Ergebnisse bis 1973: Patentierte, auch in die Praxis übertragene Verfahren und Methoden zur Analytik sowie Haltbarkeit von Ölen und Fetten sind entwickelt.

Im Ruhestand leitet Dr. Pardun noch bis 1975 die Fachgruppe "Analyse und Einheitsmethoden". Viele dieser DGF-Methoden tragen in wesentlichen Teilen auch seine Handschrift. Etwa 60 Veröffentlichungen und das umfangreiche Kapitel "Analyse der Fette und Fettprodukte" im "Handbuch der Lebensmittelchemie" (1969) sowie die Monographien "Analyse der Nahrungsfette" (1976) und "Die Pflanzenlecithine" (1988) zeugen von Dr. Parduns Schaffenskraft und begründen seine auch internationale Anerkennung. Das Kapitel in "Schormüllers Handbuch" sowie seine daraus weiterentwickelte Monographie waren für uns Lebensmittelchemiker maßgebliche Methodenbücher mit Hintergrundwissen. Besonders letzteres ist noch heute ein anerkannt tiefgründiges Nachschlagewerk für Analytik und Bewertung von Fettkennzahlen, weshalb seine Benutzung auch jüngeren Kollegen/innen zu empfehlen ist. Auch auf Tagungen der Fachgruppe Lebensmittelchemie empfanden wir Dr. Parduns stets konkrete, präzise und brillant vorgetragenen Beiträge als Bereicherung. Besonders in Nordrhein-Westfalen kennen viele Lebensmittelchemiker ihn schon seit den 50er Jahren durch seine aktive Teilnahme an dem von Prof. R. Strohecker geleiteten Arbeitskreis der Fachgruppe "Lebensmittelchemie und gerichtliche Chemie" in Gelsenkirchen sowie an den Regionalverbandstagungen: Bei den z.B. in den 70er Jahren mehrfach strittig diskutierten Parametern zur Beurteilung hitzegeschädigter Frittierfette kann Dr. Pardun sowohl durch seine differenzierte Bewertung der analytischen Parameter als auch durch die sensorischen Merkmale überzeugend klären und vermitteln.

Für seine außergewöhnlichen Leistungen werden dem Jubilar von der Bundesrepublik Deutschland 1973 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und von der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft 1982 die NORMANN-Medaille verliehen. Auch die American Oil Chemists Society würdigt Dr. Pardun als einen der bekanntesten deutschen Fettforscher (s. Inform. Vol.7, no.7, July 1996, p. 768).

Nach Dr. Parduns außergewöhnlich langem, vielseitig erfolgreichem Wirken wünschen wir ihm weiterhin neben seiner geistigen Beweglichkeit auch sonst eine zufriedenstellende Gesundheit und alles Gute.

Dr. W. Sturm


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